Linguistik online 10, 1/02

Dialekte im DaF-Unterricht? Ja, aber...

Konturen eines Konzepts für den Aufbau einer rezeptiven Varietätenkompetenz

Thomas Studer (Freiburg / Fribourg)


Abstract

Sollen Dialekte im DaF-Unterricht berücksichtigt werden? Neuere Untersuchungen zu den Einstellungen gegenüber Varietäten des Deutschen bei DaF-Lehrenden und -Lernenden (z.B. Baßler / Spiekermann 2001) weisen darauf hin, dass bezüglich dieser Frage eine gewisse Verunsicherung besteht. Der vorliegende Beitrag reagiert auf diese Verunsicherung, indem er einen Orientierungsrahmen entwirft, der es erlaubt, den Dialekten im Unterricht positiv, aber reflektiert zu begegnen. Im Einzelnen werden folgende Fragen diskutiert: Wie lässt sich die Integration von Dialekten in den Unterricht begründen? Unter welchen Voraussetzungen und auf welchen Stufen ist es sinnvoll, Dialekte zu behandeln? Wie und in welchem Umfang könnte das erfolgen? Was genau könnte eine Dialektkompetenz beinhalten und welche sprachlichen Teilfertigkeiten sollten im Zentrum stehen? Welche (und wieviele) Dialekte sollten berücksichtigt werden? Welche Rolle spielt der Lernort? - Aus der Diskussion dieser Fragen resultiert ein Konzept für einen erweiterten Erwerb des Deutschen als Fremdsprache, zu dem an erster Stelle eine breitere Wahrnehmungstoleranz gegenüber Standardvarietäten des Deutschen gehört und der sich dann auch, im Bereich der soziokulturellen und rezeptiven Kompetenzen, auf Dialekte erstreckt.

Der Beitrag ist aus einer Deutschschweizer Perspektive geschrieben, bietet aber Kriterien an, die auf verschiedene Lernsituationen im deutschsprachigen Inland und im Ausland bezogen werden können.


 

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