Linguistik online  13, 1/03

Fragen - Nachfragen - Echofragen
Formen und Funktionen von Interrogationen im gesprochenen Deutsch

Martina Rost-Roth (Berlin)



1 Einführung

Nachfragen als Phänomen mündlicher Kommunikationen ist bislang nur relativ wenig Aufmerksamkeit in der Sprachwissenschaft gewidmet wurden. Auch genereller sind Interrogationen in gesprochener Sprache noch wenig untersucht.

Im folgenden werden einige Analysen und Befunde aus einer umfassenderen Untersuchung dargestellt, in deren Zentrum Nachfragen in mündlichen Kommunikationen stehen.[1] Für die Beschreibung von Nachfragen wird dabei ein allgemeinerer Beschreibungsrahmen für Frageformulierungen in mündlichen Kommunikationen entwickelt. Dies ist insbesondere in Hinblick auf die Analyse von Frageformen von Bedeutung, um strukturelle Besonderheiten von Nachfragen gegenüber anderen Frageformulierungen zu erfassen. Nachfragen sind dabei definiert als Fragen, die sich auf vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner beziehen. Als ein Spezialfall von Nachfragen werden Echofragen betrachtet, die sich durch ein besonderes Mittel der Bezugnahme, nämlich Echokompomenten in Form von Wiederholungen der Bezugsäußerungen, auszeichnen.

1.1 Erkenntnisinteresse

Literatur, die sich eingehender mit Nachfragen befaßt, liegt bislang nur in relativ geringer Zahl vor und entstammt sehr unterschiedlichen Bereichen:

Da in diesen Untersuchungsbereichen und Darstellungen völlig unterschiedliche Beschreibungsinteressen und Fragestellungen verfolgt werden, und noch keine übergreifendere Beschreibung von Nachfragen vorliegt, schien es vielversprechend, die Beschreibungen aus den verschiedenen Bereichen in einen Zusammenhang zu stellen. Dies gilt um-so mehr, als sich die Darstellungen von 'Nachfragen', 'Rückfragen', 'Vergewisserungsfragen' und 'Echofragen' (auch abgesehen von terminologischen Unterschieden) in Beschreibungen von Nachfrageformen und Nachfragefunktionen sowie den jeweils unterstellten Form-Funktions-Bezügen - selbst innerhalb der einzelnen Bereiche - in wesentlichen Punkten widersprechen.

Es zeigen sich auch Unterschiede in bezug auf die Arten von Nachfragen, die in den einzelnen Bereichen im Zentrum des Interesses stehen. Während Beispiele mit Echokomponenten und/oder Fragewörtern typisch für die Auseinandersetzung mit Nachfragen in grammatischen Beschreibungen und der Literatur zu Echofragen sind, werden in empirischen Studien neben Nachfragen mit Fragewörtern und Nachfragen mit Wiederholungen auch Rückfragepartikeln und Formeln wie 'hä?', 'bitte?' oder explizite Klärungsaufforderungen berücksichtigt.

Zentrales Anliegen der vorliegenden Arbeit ist vor diesem Hintergrund, eine umfassendere Beschreibung von Nachfragen zu leisten. Die Beschreibung von Formen und Funktionen von Nachfragen wird in einem allgemeineren Rahmen der Analyse von Interrogationen vorgenommen, um Aussagen zu Besonderheiten von Nachfragen über einen Vergleich mit anderen Fragen abzuleiten. Durch die vergleichende Analyse von Nachfragen und anderen Fragen sind die empirischen Analysen auch in bezug auf Fragen in mündlichen Kommunikationen allgemein von Interesse. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb von Bedeutung, weil zum Untersuchungsbereich 'gesprochene Sprache' noch vergleichsweise wenige und nur auf relativ begrenzten Daten basierende Studien vorliegen (Hang 1976, Selting 1987 und 1995 sowie Peretti 1993) und selbst umfassendere Untersuchungen zu Fragestrukturen nicht auf mündlichen Spontandaten, sondern schriftlichen Frageformulierungen beruhen (Luukko-Vinchenzo 1988, Meibauer 1986, Fernandez Bravo 1993). Auch diesbezüglich sind weitere empirische Untersuchungen ein Desiderat, da davon auszugehen ist, daß sich die besonderen Bedingungen gesprochener Sprache und mündlicher Kommunikation auf die Produktion von Interrogationen (wie insbesondere Möglichkeiten des Einsatzes von syntaktischen und intonatorischen Markierungen) auswirken.

In Zusammenhang mit der Analyse von Nachfragefunktionen leistet die Studie u.a. auch einen Beitrag zur Analyse interaktiver Verständnissicherung, indem im komplexen Problemfeld der Herstellung wechselseitigen Verstehens ein klar eingrenzbarer und empirisch nachvollziehbarer Teilbereich interaktiver Verständnissicherung analysiert wird. Darüber hinaus wird aber auch reflektiert, daß Nachfragen nicht nur zur Signalisierung von Verstehensproblemen, sondern auch zur Vergewisserung oder Signalisierung von Erwartungsproblemen sowie zu anderen Zwecken eingesetzt werden können. In Hinblick auf unterschiedliche Nachfragefunktionen und Funktionsbereiche, die auch in den Darstellungen in der Literatur noch weitgehend unvermittelt nebeneinander stehen, wird versucht, den gemeinsamen 'Nenner' unterschiedlicher Nachfrageverwendungen aufzuspüren.

1.2 'Interrogation'

Da es sich bei Fragen um einen Phänomenbereich handelt, der sprachwissenschaftlich in Hinblick auf sehr unterschiedliche Arten von Ausdrucksformen von Interesse ist - Satzmodus, Fragehandlungen, Fragewörter, eingebettete Fragen - wird der Terminus Interrogation im folgenden als übergeordneter Begriff für ein semantisches Konzept verwendet, das mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln zum Ausdruck gebracht werden kann.[2] Dem entspricht auch die Betrachtung von Fragen als Ausdruck von Erotetizität in der Sprachwissenschaft. So sieht Wunderlich (1976:167ff.) den "Ursprung der Frage" in einem "kognitiven Defizit", worüber auch der 'erotetische Typ' vom 'direktiven Typ' abgegrenzt werden kann. Burkhardt (1986:45) spricht von der 'erotetischen Basisillokution', Zaefferer (1984:15) vom 'erotetischen Illokutionstyp' bzw. der 'erotetischen Les-art von Fragesätzen' und Luukko-Vinchenzo (1988:13) von der 'erotetischen Einstellung'.

In Analogie zu konzeptorientierten Ansätzen, wie sie u.a. in der Zweitspracherwerbsforschung weiterführend waren (cf. von Stutterheim 1997 und von Stutterheim/ Klein 1989, Perdue 1993), und in Entsprechung zu Konzepten und Ausdrucksbereichen wie Negation, Temporalität oder Modalität, soll im folgenden untersucht werden, mit Hilfe welcher sprachlicher Formen dieses semantische Konzept jeweils realisiert wird. Die Untersuchung schließt dabei nicht nur satzartige Fragevorkommen ein, die dem Satzmodus nach als Frageformen gelten[3], sondern auch indirekte und eingebettete Fragen, ebenso wie elliptische Äußerungsformen und Ausdrucksformen aus dem Bereich der Lexik und der Partikeln.[4]

Die Betrachtung von Fragen als Ausdruck von Erotetizität ist für die folgenden Analysen insofern von Belang, als im Ausdruck von Nicht-Wissen und der Signalisierung eines Informationsdefizits die grundlegende Bedeutung von Interrogationen gesehen werden kann. Speziell in Hinblick auf Nachfragen und Echofragen folgt daraus, daß auch diese ihrem Wesen nach als Ausdruck von Erotetizität - und zwar speziell als Ausdruck eines Nicht-Wissens bzw. Informationsdefizits in bezug auf vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner angesehen werden können.

 

2 Literaturdiskussion

2.1 Konversationelle Fragen

Es gibt nur sehr wenige Analysen, die sich mit Nachfrageformen und -funktionen in mündlichen Kommunikationen auf empirischer Basis befassen.

Hier lagen zunächst nur Studien zu englischsprachigen Kommunikationen vor. Corsaro (1977) untersucht 'Clarification Requests' in Interaktionen mit kleinen Kindern. Garvey (1979) untersucht 'Contingent Queries' und unterschiedliche Bezugnahmen auf vorausgehende Äußerungen und entsprechende Beeinflussungen der Folgeäußerungen.Empirische Studien liegen auch zu Interaktionen zwischen Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern vor, wobei vor allem die Untersuchungen im Rahmen eines ESF-Projektes (cf. Perdue 1993, Bremer 1997, wobei sich Bremer an die Studie von Selting 1987 anschließt).

Bei Selting (1987) steht die Befassung mit Verständigungsproblemen und ihre interaktive Bearbeitung im Vordergrund. Sie untersucht Verständigungsprobleme auf dem Sozialamt. Diese Analysen gehen auch in Selting (1995) ein, werden dort aber um andere konversationelle Daten erweitert.

Seltings Befassung mit Nachfragen beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit der Signalisierung von Verständigungsproblemen. Diese werden als 'Pro-blemmanifestationen' bezeichnet. Als 'Problemmanifestationen' bei 'lokalen Verstehensproblemen' werden Fragewörter wie 'wer', 'was' 'wieso', 'warum' etc. aber auch Formen wie 'bitte?', 'hä?' u.ä. sowie Wiederholungen von Äußerungen oder Äußerungsteilen analysiert.[5] Die Analysen von Selting (1987) zielen darauf ab, zu zeigen, daß mit unterschiedlichen Arten von Problemmanifestationen unterschiedliche Arten von Verstehensproblemen signalisiert werden, wobei vor allem auch prosodische Unterschiede als interaktiv relevant nachgewiesen werden. Dabei werden als 'problemmanifesteremde Fragen' zunächst 'Bedeutungsverstehensprobleme', 'Referenzverstehensprobleme', und 'akustische Verständigungsprobleme', sowie 'Erwartungsprobleme' (in der folgenden Differenzierung unter 2.2) unterschieden. Diese Differenzierung ist in Selting (1987) angelegt und wird in Selting (1995) zu einer allgemeineren Typologie konversationeller Fragen erweitert:

1 Nicht-einschränkende "offene" Fragen
2 Einschränkend weiterführende Fragen
  2.1 Verständigungsbearbeitende Fragen
    2.1.1 Einschränkend weiterführende 'engere' verständigungsbearbeitende Fragen
    2.1.2 Inferenzüberprüfungen
  2.2 Problemmanifestierende Fragen
    2.2.1 Manifestation von einseitigen Verstehensproblemen
      2.2.1.1 Manifestation von Bedeutungsverstehensproblemen
      2.2.1.2 Manifestation von Referenzverstehensproblemen
      2.2.1.3 Manifestation von akustischen Verstehensproblemen
    2.2.2 Manifestation von Erwartungsproblemen
      2.2.2.1 Wieso-Nachfragen
      2.2.2.2 Erstaunte Nachfragen (Selting 1995:238ff.)

Hinzu kommen die Kategorien 'verständigungsbearbeitende Fragen' und 'Nicht-einschränkende "offene" Fragen.

Die Systematik von Selting ist insbesondere in bezug auf die Kategorien der 'Manifestation von Verstehensproblemen' und 'Manifestationen von Erwartungs-problemen' schlüssig und konzise. Die Beschreibungen von 'verständigungs-bearbeitenden Fragen', wie inbesondere 'Inferenzüberprüfungen' bleiben demgegenüber relativ vage. Hier werden auch von Selting selbst Abgrenzungs-probleme thematisiert.

Weiterhin ist kritisch anzumerken, daß als problemmanifestierende Fragen ausschließlich Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen beschrieben werden.

Im folgenden wird diesbezüglich argumentiert, daß in bezug auf alle Arten von Verstehensproblemen sowohl Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen als auch Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen möglich sind. Dasselbe gilt für Erwartungsprobleme.

2.2 Echofragen

In der Literatur zu Echofragen steht die Auseinandersetzung mit syntaktischen Aspekten und Syntax-Theorien (Bierwisch 1966, Wunderlich 1986, Meibauer 1987b, Oppenrieder 1991, Reis 1991) im Zentrum des Interesses. Die Befassung mit Ergänzungsfragen - in diesem Zusammenhang häufig als 'Echo-W-Fragen' bezeichnet - steht hierbei im Vordergrund. Problematisiert wird vor allem, daß in Echofragen das Fragewort (auch) satzintern an der Stelle des Fokuselementes positioniert sein kann, während bei 'normalen' Fragen das Fragewort in der Regel in der Spitzenstellung erscheint bzw. von einer 'Bewegung des w-Ausdrucks in Satzanfangsstellung' ('wh-movement') ausgegangen wird.[6]

Bierwisch (1966) unterscheidet in Zusammenhang mit dem übergeordneten Anliegen, Regeln der Intonation mit systematischem Bezug zu Strukturen deutscher Sätze zu beschreiben, Satztypen über intonatorische und syntaktische Merkmale. Bei dieser Differenzierung bilden 'Echo-W-Fragen' und 'Echo-Entscheidungsfragen' je eine eigene Kategorie (Bierwisch 1966:166). Für diese Frageformen - d. h. auch für die beiden verschiedenen Formen von Echofragen - werden auch jeweils spezifische 'Tiefenstrukturen' angenommen (ebd.: 169ff.). In bezug auf Tiefenstrukturen von Echofragen generell werden jedoch auch andere Auffassungen vertreten. So insbes. von Reis (1991). Auch der Satzmodus von Echofragen wird problematisiert, da z. B. bei Entscheidungsfragen Verb-Zweit zu beobachten ist. So sehen z. B. Altmann und Meibauer hier Mischtypen.[7]

Wunderlich befaßt sich mit Echofragen u.a. in Hinblick darauf, welche syntaktischen 'Beschränkungen' bzw. 'neuen Möglichkeiten' bestehen. Dabei werden Echofragen mit folgenden Beispielen exemplifiziert:

" (1) Peter hat ein Seepferd gekocht.
  (2) a. Peter hat ein Seepferd gekocht?
    b. Peter hat was gekocht?
    c. Peter hat ein was gekocht?
    d. Was hat Peter gekocht?
    e. Ein Seepferd hat Peter gekocht?
    f. (Ist das wirklich wahr:)
   Hat Peter ein Seepferd gekocht?" (Wunderlich 1986:53)

Hier werden auch funktionale Aspekte thematisiert: Variante 2b) wird mit Überraschung, Variante 2d) mit auditivem Mißverstehen in Zusammenhang gebracht. M. E. können jedoch beide Beispiele - unter der Voraussetzung unterschiedlicher prosodischer Realisierungen - in beiden Funktionen eingesetzt werden.[8] Zudem leuchtet nicht ganz ein, daß nur für eine Variante (d. h. 'f') eine Bedeutungsparaphrase geliefert wird.

Charakteristisch für die Literatur zu Echofragen ist, daß funktionale Aspekte eher beiläufig angesprochen werden und sich auffällige Widersprüche zeigen. Auch die Definition von Echofragen bzw. die Eingrenzung des Phänomens ist nicht einheitlich. Nach Meibauer (1987b) müssen Echofragen nicht immer aus wörtlichen Wiederholungen bestehen. Er weist auf die Möglichkeit hin, daß Deixis wechseln und daß auch in anderen Aspekten die Möglichkeit besteht, enger an der Bezugsäußerung zu bleiben oder sich weiter von dieser zu entfernen (Meibauer 1987b: 346). Wunderlich bezeichnet Fragen mit wörtlichen Wiederholungen als 'Echofragen im engeren Sinne'. Nach seiner Auffassung kann aber auch 'was?' zu Echofragen gerechnet werden, wobei er dies als Echofrage 'im weiteren Sinne' betrachtet (Wunderlich 1986: 46).

Im folgenden wird demgegenüber die Auffassung vertreten, daß nur Nachfragen, die auf Wiederholungen der Bezugsäußerungen oder von Teilen derselben (gegebenenfalls unter Einschluß wechselnder Deixis) basieren, als Echofragen zu betrachten sind.

2.3 Grammatische Beschreibungen und Fragetypologien

Auffällig ist, daß die meisten Grammatiken und sprachwissenschaftlichen Beschreibungen zunächst versuchen, unterschiedliche Arten von Fragen zu unterscheiden. Ein Vergleich der Typologien und Kategorien bringt erstaunliche Unterschiede zu Tage:

Fragetaxonomien und Fragekategorien in Grammatiken[9]

Helbig/Buscha
(1981:542ff.)
Helbig/Buscha
(Neubearb. 2001: 615ff.)
Erben
(1972:)
Grundzüge
(1980:768ff.)

1. Entscheidungsfrage

2. Ergänzungsfrage
   (Wortfrage)

3. (Besondere Frageformen):

3.1 Vergewisserungsfrage

3.2 Rhetorische Frage

3.3 Nachfrage

3.4 Alternativfrage

1. Entscheidungsfrage

2. Ergänzungsfrage

- Entscheidungsfrage

- Ergänzungs-
  Bestimmungs-
  oder
  Satzgliedfrage

- Bestätigungssuchende
  Aussage

- Entscheidungsfragesätze

- Vergewisserungsfragesätze

- Ergänzungsfragesätze

 

Griesbach
(1986:24 ff.)
Engel
(1996:52ff)
Götze/Hess-Lüttich
(1989:322ff.)
Hentschel/Weydt
(2. Aufl. 1994: 370ff)

- Entscheidungsfragesätze

- Ergänzungsfragen

- ("Besondere Fragen":)

- Alternativfragen

- Fragen, die eine
  Bestätigung erwarten

- Rückfragen

- rhetorische Fragen

- Entscheidungsfrage

- Sachfrage

- Alternativfrage

- Gegenfrage

- Rückfrage

- propositionale Rückfrage

- illokutive Rückfrage

- Kontaktsignal

- Entscheidungsfragesätze

- Vergewisserungsfragesätze
  (Echofragen)

- Ergänzungsfragesätze

- Rhetorische Fragesätze

- Entscheidungsfrage

- Bestimmungsfrage
  (weiterhin erwähnt:)

- Nachfrage

- Echofrage

- Mehrfachfrage

- Alternativfrage

- Refrainfrage

- rhetorische Frage

 

Weinrich
(1993:880ff.)
Duden
(1995:592ff.)
Zifonun et al.
(1997:105 ff, C1)
Zifonun et al.
(1997, 640ff.)

1. Geltungsfragen

1.1 einfache Geltungsfragen

1.2 Vergewisserungsfragen

2. Alternativfragen

3. Fokusfragen

3.1 Verbfragen

3.2 Rollenfragen

3.3 Applikationsfragen

4. Rhetorische Fragen
   und Ausrufe

- Ergänzungsfragesätze

  oder
  Wortfragesätze

- Entscheidungsfragesatz
  oder Satzfrage

(ferner werden erwähnt:)

- Nachfrage (Echofrage)

- Prüfungsfrage

- Nachfrage
  (Nicht-Verstehen)

- deliberativer Fragesatz

- Vergewisserungssatz

- Bestätigungs-fragesatz

- Nachfragesatz (Überraschung,
  Verwunderung, Erstaunen)

- Ergänzungsfrage

- Propositionale Nachfrage

- Entscheidungsfrage

- Alternativfrage

- Bestätigungsfrage

- deliberative Frage

- Nachfrage

- Rückfrage

- Examens- und Regiefrage

- Entscheidungsfragesatztyp

- Ergänzungsfragesatztyp.

 

(Dort werden unter Bezug auf diese Fragearten angeführt:)

  - Bestätigungsfragesätze,

  - Nachfragesätze (Echofragesätze)

  - Rückfragesätze

sowie

  - Verbletzt Fragesätze

  - deliberative Fragen

  - Alternativ-frage-sätze

  - rhetorische Fragen

 

Interessant in bezug auf die Auseinandersetzung mit Nachfragen in Grammatiken ist insbesondere die "Grammatik der Deutschen Sprache" von Zifonun et al. (1997), die pragmatische Aspekte verstärkt aufnimmt, und auch Nachfragen ausführlicher behandelt. Fragen ('Quaestive' genannt) werden in zwei Kapiteln, nämlich im Kapitel zu 'Sprache und Illokution' (C1, 2.1.1, S. 103-117) und im Kapitel zu 'Frage-Modi' (D2, 4.2, S. 640-652) behandelt.[10]

Zunächst werden 'Nachfragen' und 'Rückfragen' unterschieden:

"Zweck der Nachfrage ist die Verständnissicherung, Zweck der Rückfrage die Problematisierung (Wissensdivergenz, Zweifel an Angemessenheit oder Legitimation) der Vorgängerhandlung. Das vorhergehende Diktum wird aufgegriffen und ganz oder partiell als Interrogatum (bzw. zu Klärendes) markiert." (Zifonun et al. 1997:115).

'Nachfragen' und 'Rückfragen' werden hier also allein über unterschiedliche Funktionen voneinander abgegrenzt, wobei allerdings auch immer wieder Schwierigkeiten der Abgrenzung angesprochen werden. Eindeutige Zusammenhänge mit bestimmten sprachlichen Realisierungen werden nicht hergestellt.

Nicht unproblematisch erscheint auch der Versuch einer Regelformulierung:

"Es gelten folgende Zusammenhänge zwischen Vorgängeräußerung und Nachfrage:
[1] Auf Äußerungen beliebiger adressatenorientierter Modi kann mit Nachfragen reagiert werden.
[2] Nachfragen auf Frageäußerungen hin sind stets in 'indirekter Redeweise' formuliert, das heißt,
- Nachfragen auf Ergänzungsfragen sind Verbletztsätze mit einleitendem W-Wort;
- Nachfragen auf Entscheidungsfragen sind Verbletztsätze mit einleitendem ob. (...)
[3] Nachfragen auf Aufforderungssätze sind mit sollen formuliert.
[4] Bei lexikalisch mit einer W-Phrase markierten Nachfragen gibt es zwei mögliche Muster:
[i] Die W-Phrase verbleibt an der Position, die das entsprechende Element in der Vorgängeräußerung einnimmt (...).
[ii] Die W-Phrase wird ins Vorfeld gerückt (...).
Muster [i] ist ein nur bei Nachfragen realisierbares Muster, es ist bei allen anderen Fragetypen ausgeschlossen." (Zifonun et al. 1997:645)

Zu diesen Regelformulierungen sind einige kritische Anmerkungen zu machen:

Für die unter Punkt [2] formulierte Regel, daß Fragen in Anschluß an Fragen 'stets' in indirekter Redeweise formuliert werden müssen, und die unter Punkt [3] formulierte Regel, daß bei Fragen nach Aufforderungen immer sollen erscheinen muß, sind in Zifonun et al. (1997) selbst Gegenbeispiele zu finden.

Die Aussage unter Punkt [4], daß satzinterne Stellung des Fragewortes spezifisch für Nachfragen und bei anderen Fragetypen ausgeschlossen sei, ist desgleichen schon innerhalb der Grammatik von Zifonun et al. nicht konsistent, da dort z. B. auch für den Fragetypus 'Examensfrage', oder 'Fortsetzungs-frage' satzinterne Positionen des Fragewortes beschrieben werden (cf. S. 116f und 646). Kritisch ist darüber hinaus anzumerken, daß es sich bei allen Beispielen um Nachfragen handelt, die auf Fragewörtern und Wiederholungen basieren, und somit eine Einschränkung des Phänomenbereichs vorliegt, indem Nachfragen in Form von Reformulierungen nicht berücksichtigt sind.[11]

2.4 Widersprüche in Form- und Funktionsbestimmungen

Insgesamt zeigt sich, daß die Beschreibungen in der Literatur, und dies gilt auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Untersuchungsbereiche, meist unvollständig und oft widersprüchlich sind. So werden Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen und Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen ganz unterschiedliche Funktionen zugesprochen:

Fragearten und korrespondiere Funktionsunterschiede in verschiedenen Darstellungen

  Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen
Selting
(1995:270ff.)
'Inferenzüberprüfungen'
'Problemmanifestierende Fragen'
Zifonun et al.
(1997:115ff.)
'Verständnisunsicherheit' 'Nicht-Verstehen'
Meibauer
(1987b:347)
Hypothese über fehlendes Element keine Hypothese über fehlendes Element
Engel
(1988:55)
gesamte Proposition der Voräußerung nicht verstanden Teil der Proposition der Voräußerung nicht verstanden
Duden
(1995:593f.)
Überraschung, Verwunderung, Erstaunen Verstehensproblem

Bei Selting werden Fragearten mit unterschiedlichen Bearbeitungen von Verständnisproblemen in Verbindung gebracht, in der Duden-Grammatik mit unterschiedlichen Arten von Problemen, bei Engel mit dem Umfang des Verständnisses der vorausgehenden Proposition. Als übereinstimmend können hier nur die Zuordnungen von Zifonun et al. 1997 und Meibauer gesehen werden, die eine Verbindung zwischen den Fragearten und unterschiedlichen Arten von Verständnisproblemen herstellen. Dies erscheint plausibel, wenn man davon ausgeht, daß Fragearten als Ausdruck unterschiedlicher fragelogischer Konzepte betrachtet werden können.

Auch bezogen auf Funktionsbeschreibungen zeigen sich erhebliche Differenzen und Widersprüche.

Hier zeigt sich zwar Übereinstimmung darin, daß oft eine Dichotomie von verständnissichernden Funktionen und 'anderen Funktionen' angenommen wird, wobei als 'andere Probleme' meist 'Überraschung', 'Erstaunen', 'Verwunderung' genannt werden, jedoch werden diese dann mit unterschiedlichen Merkmalen in Verbindung gesetzt:

Funktionsunterschiede und korrespondierende Merkmale in verschiedenen Darstellungen von Nachfragen

  Verständnissichernde Funktionen von Nachfragen

'Andere' Funktionen von Nachfragen
('Erwartungsprobleme')

Zifonun et al.
(1997: 115)
(Funktionsunterschiede werden a priori vorausgesetzt) (Funktionsunterschiede werden a priori vorausgesetzt)
Selting
(1995: 303)
prosodisch unmarkiert prosodisch markiert
Engel
(1988: 56)
"am Ende fallende Tonführung" "am Ende steigende Tonführung"
Duden
(1995: 549)
Ergänzungsfrage Entscheidungsfrage

Darüber hinaus werden auch Funktionen wie Zeitgewinn, Ironie, Korrektur genannt. Des weiteren wird auch 'Vergewisserung' als Nachfragefunktion angeführt, wobei die Abgrenzung zu anderen Vergewisserungs- und Bestätigungsfragen mit unterschiedlicher Deutlichkeit vorgenommen wird. Auch in diesen Punkten bleiben Form- und Funktionsbestimmungen widersprüchlich und diffus.

In Hinblick auf die Analyse unterschiedlicher Problembereiche liefern die Analysen von Selting die fundiertesten Anhaltspunkte, wobei die o. g. kritischen Einschränkungen als Ausgangspunkt für weitere empirische Analysen genommen werden.

Von daher konzentrieren sich die folgenden Analysen vor allem darauf, Form-Funktions-Bezüge in Hinblick auf die Beziehungen zwischen Fragearten als ausdrucksfragelogischer Konzepte und eine Systematisierung unterschiedlicher Problembereiche zu klären.

 

3 Methodik

3.1 Offene Fragen und Problemstellung

In Hinblick auf Nachfragefunktionen ist die übergeordnete Fragestellung, inwiefern verschiedene Nachfragefunktionen und Problembereiche unterschieden werden können. Aus der kritischen Diskussion der Literatur ergibt sich des weiteren die Frage, welche Verbindung zwischen bestimmten Problembereichen und Fragearten bestehen.

In Hinblick auf Nachfrageformen ist zu untersuchen, welche Fragestrukturen empirisch belegt sind, und inwiefern sich Nachfragen von anderen Fragen unterscheiden, bzw. auch, welche Unterschiede sich für Echofragen und andere Nachfragen zeigen.

3.2 Analyserahmen

Nachfragen sind darüber definiert, daß sie sich auf vorausgehende Äußerungen im Kontext (im folgenden als Bezugsäußerungen bezeichnet) beziehen. Echofragen werden als ein Spezialfall von Nachfragen angesehen, der sich durch eine bestimmte Art der Bezugnahme, nämlich Bezugnahme über Wiederholung der Bezugsäußerung, bzw. von Teilen der selben auszeichnen. (cf. ausführlich hierzu die Entwicklung eines Analyserahmens in Rost-Roth 2000:105ff, 133ff).

Da sich Echofragen von anderen Nachfragen nur darin unterscheiden, daß die Art der Bezugnahme auf vorausgehende Äußerungen mittels Wiederholung erfolgt, sind Echofragen als ein Spezialfall von Nachfragen, d. h. als 'Subtypus', zu betrachten. M. a. W.: Echofragen sind eine Teilmenge von Nachfragen und Nachfragen sind eine bestimmte Art von Fragen. Es ergibt sich also folgendes Verhältnis:

(Fragen (Nachfragen (Echofragen)))

Wenn also im folgenden von Nachfragen gesprochen wird, sind Echofragen prinzipiell impliziert, und wenn von Echofragen gesprochen wird, wird auf eine besondere Art von Nachfragen abgehoben.

Die Analyse der empirischen Vorkommen setzt auf drei Ebenen an:

1. Strukturtypen
2. Bezugstypen
3. Funktionsbereiche

Im folgenden werden einige Ergebnisse für die Analysen zu Strukturtypen und Funktionsbereichen zusammengefaßt (für die Analysen zu Bezugstypen cf. Rost-Roth 2000: 190ff).

3.3 Datenbasis

Sowohl in Hinblick auf die Erfassung von (Nach-)Frageformen als auch in Hinblick auf die Erfassung von funktionalen Aspekten, schien es angeraten, möglichst unterschiedliche Gesprächssituationen einzubeziehen. Dafür wird auf Datensammlungen aus unterschiedlichen Kontexten zurückgegriffen:

1. Ein Korpus mit informellen Gesprächen, mit Aufzeichnungen von Telefongesprächen und privaten Zusammenkünften (INF-TEL und INF-ZUS).
2. Ein Korpus mit Gesprächen aus Sprechstunden und Studienberatungen im universitären Bereich, 'Kommunikation in der Hochschule' (KIH; cf. hierzu ausführlicher Rost-Roth 1998).
3. Ein Korpus mit experimentellem Erhebungsdesign, das verschiedene Diskurstypen wie Narrationen, Instruktionen, freie Konversationen und Argumentationen umfaßt (P-MoLL ; cf. hierzu Dittmar et al. (1990).

Die Datenbasis umfaßt insgesamt 742 Fragevorkommen, die sich folgendermaßen verteilen:[12]

 

 

INF

(informelle Gespräche)

KIH

(Kommunikation in der Hochschule)

P-MoLL

(diverse Diskurstypen)

Summe

Nachfragen

206

95

34

335

andere Fragen

2

286

119

407

Summe

208

381

153

742

 

4 Analyseergebnisse

4.1 Frageformen

Bei der Analyse von Frageformen wird jeweils für Fragen in Form von Entscheidungsfragen und Fragen in Form von Ergänzungsfragen untersucht, mit welchen sprachlichen Mitteln und Merkmalen die Frageformulierungen einhergehen, bzw. inwiefern sich diese unterscheiden können. Strukturtypen werden im folgenden also auf der Basis unterschiedlicher formaler Strukturen und struktureller Merkmale differenziert. Neben Entscheidungs- und Ergänzungsfragen werden hier auch Alternativfragen als eigene Frageart berücksichtigt.[13]

4.1.1 Strukturtypen bei Entscheidungsfragen

Grammatische Beschreibungen von Fragestrukturen gehen meist davon aus, daß im Deutschen Entscheidungsfragen mit Verb-Erst-Stellung als Normalfall oder Standardfall anzusehen sind. Verb-Zweit-Stellung wird hingegen meist mit be-stimmten Funktionen in Zusammenhang gebracht, wie z. B. Nachfragen und Echofragen oder auch Vergewisserungsfragen. Dasselbe gilt für selbständige Nebensätze mit Verb-Letzt-Stellung. Diesen Beschreibungen entsprechend werden Äußerungsformen im folgenden vor allem nach der Verbstellung differenziert (Zu 'Verbstellungstypen' cf. auch Altmann 1981 oder Schröder 1984).

Auf der Grundlage der Beobachtungen an empirischen Vorkommen erweist sich jedoch, daß viele Frageformulierungen elliptisch sind, so daß als weiteres Merkmal bedeutsam ist, ob die Frageformulierungen überhaupt Verben aufweisen. Da bei elliptischen Vorkommen des weiteren auch Auslassungen von Subjekt-Elementen Einfluß darauf haben können, ob die Stellung des Verb-Elementes interpretierbar ist oder nicht, werden auch diese als eigener Strukturtyp berücksichtigt.

Des weiteren zeigt sich, daß bei Entscheidungsfragen, in denen das Vorfeld durch andere Elemente als das Subjekt besetzt ist, im Interrogativmodus ebenso wie im Deklarativmodus Verb-Zweit-Stellung mit Inversion vorliegt, und somit auch hier die Verbstellung zur Markierung des Interrogativmodus ausscheidet. Auch diese Strukturen werden deshalb gesondert berücksichtigt.

Die einzelnen Strukturtypen werden im folgenden mit Beispielen aus den Daten exemplifiziert. Die Exemplifizierung beschränkt sich dabei auf eine Verdeutlichung der Strukturtypen mit Nachfragen.[14]

 

Entscheidungsfragen mit Verb-Zweit-Stellung (Entsch-V2)

Fragevorkommen mit Verb-Zweit-Stellung werden oft als 'Intonationsfragen', 'Bestätigungsfragen' oder 'Vergewisserungsfragen' bezeichnet. Entsprechend wird für Nachfragen Verb-Zweit-Stellung als typisch angesehen:[15]

D: aber + das ist eher doch die ausnahme
S: ?das ist die ausnahme^?
D: meistens fehlen noch einige also/
(ID 870, KIH)

Hier zeigt die Fragestruktur der Nachfragen Analogie zu Verbstellung und Syntax der Bezugsäußerung. Es gibt aber auch Nachfragen mit Verb-Zweit-Stellung, die freier formuliert sind:

S: und wollt jetzt eigentlich
mich für kunstgeschichte im hauptfach bewerben
D: +?das soll hauptfach werden? =
S:  
(ID 880, KIH)
=ja
 

Entscheidungsfragen mit Verb-Erst-Stellung (Entsch-V1)

Die folgende Belegstelle zeigt, daß bei Nachfragen auch Verb-Erst-Stellung zu beobachten ist:

B: =ah:: ich hab so-ne &sehnsucht nach <name>   &
A:   &ja wir hatten bischen streß& + !?was^?!
B: ich hab so-ne (s/) sehnsucht <n&me>&
A:    ?&hast& du^?
B: 'ja:: + 'tota::l
(ID 1329, INF-TEL)
 

Entscheidungsfragen mit Verb-Letzt-Stellung (Entsch-V-Letzt)

Entscheidungsfragen mit Verb-Letzt-Stellung, die mit ' mit 'ob' angeschlossen werden, können als eingebettete Fragesätze erscheinen, die mit einem sogenannten Matrixsatz eingeleitet werden. Entsprechende Verb-Letzt-Konstruktionen sind auch bei Nachfragen denkbar und werden in der Literatur, insbesondere als selbständige Verb-Letzt-Sätze häufig angeführt. In den eigenen Daten findet sich jedoch kein Beleg für entsprechende Nachfrageformulierungen.[16] Interessant sind in diesem Zusammenhang jedoch auch Nachfrageformulierungen, die mit 'daß' eingeleitet werden:

D: =ich kann ihn da keine vorschriften machen aber =
S:   =ja
D: was so 'f:ür ihr eignes projekt + günstig ist ja^
S: ja
D: also diese genannten könn sie ja mal angucken was davon + taugt sicher werdn sie (x) + eine und ne andre auch schon kenn^
S: ja
D: ja^ + ähm + damit schärfer das besondere + dieses buches rauskommt +
S: hmhm
D: (nein^)
S: ?also daß nich direkt n vergleich angestrebt wird sondern einfach & nur          & ne einordnung
D:   &%hmhm%&  
S: in/ in diesen
D: ja
S: in dieses &the&ma einfach?
D:   &ja  &  
S: &(diesen sprachxx)&  
D: &ja denn selbst      &
(ID 824, KIH)
+ der mord is ja nicht so aus der welt

Die Einleitung der Nachfrageformulierung mit 'daß' bzw. 'also daß' zeigt Entsprechung zu Formulierungen mit Einleitungen wie 'meinen Sie, daß...' o.ä.

 

Entscheidungsfragen in Form von Verb-Ellipsen (Entsch-oV)

Es gibt elliptische Formulierungen von Entscheidungsfragen, die keine Verb-Vorkommen aufweisen. Diese Erscheinungsform ist auch bei Nachfragen zu beobachten:

D: hätt-ich noch ne bitte wenn sie wieder was abgeben
S: ja^
D: ä:hm + wenn-s so schön gedruckt is so fett ja^ dann kann ich-s leicht lesen
S: besser als/
D:   =bei dem andern da muß ich immer furchtbar genau hingucken
S: gut ?also &lieber & diese schrift?
D:   & ja^   &  
  lieber so-ne schrift
S:  gut=
(ID 830, KIH)
 

Entscheidungsfragen in Form von Subjekt-Ellipsen (Entsch-oS)

Auch dann, wenn die Frageformulierungen Verben enthalten, kann die Verbstellung nicht immer eindeutig zur Markierung der Interrogationsfunktion dienen, da in Frageformulierungen, in denen kein Subjekt erscheint, nicht immer nachvollziehbar ist, ob es sich um Verb-Erst- oder Verb-Zweit-Positionen handelt:

D: ?und hat es jetzt 'gestört dabei?
S: nei:n
D: ?ging?
S: + das stört mich nich
(ID 901, KIH)

Hier ist die Äußerung sowohl im Sinne von 'es ging?' als auch 'ging es?', also Verb-Erst oder Verb-Zweit, rekonstruierbar.

 

Entscheidungsfragen mit Verb-Zweit-Stellung und Subjekt-Verb-Inversion (Entsch-Vor-V2)

Interessant in Hinblick auf die Frage, welche Rolle die Verbstellung für die Fragemarkierung spielt, sind auch Strukturen, bei denen das Vorfeld durch andere Satzglieder besetzt ist, was zu Subjekt-Verb-Inversion führt, denn hier ist auch in Frageformulierungen die Beibehaltung von Verb-Zweit-Stellung obligatorisch. Auch hierfür finden sich Belege bei Nachfragen:

D: denn das is wirklich ver'dächtig daß es ne ideologie 'werden könnte
S: ?bei hilbig mein sie?
D: daß äh/ &daß hilbig selbst äh
(ID 808, KIH)
 

Vorkommenshäufigkeiten

Um die unterschiedlichen Strukturtypen als unterschiedliche Ausdrucksformen noch einmal zu veranschaulichen, wird in der tabellarischen Übersicht das 'Seepferdchen-Beispiel' von Wunderlich (1986) mit der Bezugsäußerung 'Peter hat ein Seepferdchen gekocht' herangezogen:[17]

Strukturtypen bei Entscheidungsfragen

Strukturtyp Beispiel Echofragen andere Nachfragen andere Fragen
Entsch-V1 Hat Peter ein Seepferd gekocht?

4 (6,66%)

8 (5,83%)

131 (53,90%)

Entsch-V2 Peter hat ein Seepferd gekocht?

5 (8,33%)

33( 24,08%)

43 (17,69%)

Entsch-V-Letzt ob Peter ein Seepferd gekocht hat?

0 (0,00%)

2 (1,45%)

8 (3,29%)

Entsch-oV Peter?

43 (71,66%)

64 (46,71%)

17 (6,99%)

Entsch-oS ein Seepferd?

4 (6,66%)

8 (5,83%)

7 (2,88%)

Entsch-Vor-V2 im Topf gekocht?

4 (6,66%)

14 (10,21%)

27 (11,11%)

Entsch-sonst ----

0 (0,00%)

8 (5,83%)

10 (4,11%)

Summe  

60 (100,00%)

137 (100,00%)

(100,00%)

Bei Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen werden in der Literatur vor allem Verb-Zweit-Konstruktionen als typisch angeführt. Die Auswertung des Korpus ergibt jedoch, daß Verb-Zweit-Fragen bei Nachfragen nicht wesentlich häufiger vorkommen als bei anderen Fragen, und das auch bei diesen der Anteil von Verb-Zweit (Entsch-V2) relativ hoch ist:[18]

Auffallend bei Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen ist hingegen der hohe Anteil verbloser und anderer elliptischer Frageformulierungen, der sich sowohl bei Echofragen als auch bei anderen Nachfragen zeigt.

4.1.2 Strukturtypen bei Ergänzungsfragen

Bei Ergänzungsfragen werden Fragekonstruktionen mit Fragewort in Satzanfangsstellung in der Literatur als Normalfall angesehen. Fragekonstruktionen, in denen das Fragewort nicht in Satzanfangsstellung, sondern satzintern positioniert ist, werden im allgemeinen mit Nachfragen und besonderen Fragefunktionen in Verbindung gebracht. In Zusammenhang mit besonderen Funktionen werden auch eingeleitete Fragesätze und Verb-Letzt-Konstruktionen erwähnt. Ergänzungsfragen können aber auch in Form von elliptischen, d. h. isolierten Fragewort-Verwendungen realisiert werden. Neben diesen Erscheinungsformen von Ergänzungsfragen sind in den untersuchten Daten auch Frageformulierungen zu finden, die die Funktion von Ergänzungsfragen erfüllen, aber keine Frageworte aufweisen.

Im folgenden werden diese Strukturtypen wiederum anhand von in den Daten belegten Vorkommen für Nachfragen exemplifiziert.

 

Ergänzungsfragen mit FW in Satzanfangsstellung (Erg-FW-SA)

Das folgende Beispiel zeigt, daß auch bei Nachfragen Frageworte in Anfangsstellung zu beobachten sind:

I-R: und jetzt machst-e bitte n-knoten
E-L: mh ?wie mach ich knoten?
I-R: ?wie mast-e @n-knoten?@ (...)
eh: mach bitte ne schleife
(ID 755, P-MoLL)

Echo-Nachfragen mit Frageworten in Satzanfangsstellung sind im untersuchten Corpus nur dann zu finden, wenn auch das Element, auf das mit dem Fragewort verwiesen wird, in der Bezugsäußerung in entsprechender Position steht. Ansonsten erscheinen Fragewörter in Satzanfangs-Positionen vor allem in Nachfragen mit metasprachlichen Explizierungen und spezifizierenden Nachfragen:

X: gib mir mal ein teller und ein (xx)
+ ich (könnte) dann gleich
  den (käse scha &pie &ren)
E:   &drei& +
  ?was willst du rapieren?
X: drrrrapieren
E: ?was willst du 'drapieren?
+ (ach so) da brauchst du solche (netten) schalen gell^
X: ja genau
(ID 1224 + ID 1225, IN-ZUS)
 

Ergänzungsfragen mit Fragewort in satzinterner Position (Erg-FW-SI)

Ergänzungsfragen mit satzinterner Position des Fragewortes werden in der Lite-ratur häufig als typisch für Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen angesehen:

A: &ja + ?und das& 'einzige is halt daß ich/ äh (mh) +
ich weiß nich also wenn ich um 'halb neun/ +
äh um 'neun erst komme^ +
dann weiß ich nich wie wir das 'machen mit <name>_? (h) +
?da bringt ihr den 'später oder wie:: +
  ich meine dann &kann/&?
B:   &wenn& du 'was^?
A: (h) + es 'kann ja t/ theoretisch sein
daß ich bis 'neun uhr arbeiten muß_
+ &(da/ kann/)& + 'kann ja mal sein_
(ID 1265, INF-TEL)
 

Auffällig ist, daß sich die in den Daten belegten Vorkommen von den in der Li-teratur beschriebenen Beispielen in mehreren Punkten unterscheiden:

- die vor dem Fragewort erscheinende Wiederholung ist meist auf ein oder zwei Worte eingeschränkt,
- auf das Fragewort folgen keine weiteren Äußerungselemente,
- als Fragewort erscheint auffällig häufig 'was'.[19]

 

Ergänzungsfragen mit Verb-Letzt-Konstruktionen (Erg-FW-V-Letzt)

Ergänzungsfragen mit Verb-Letzt-Konstruktionen können eingebettet oder selbständig in Erscheinung treten. Eingebettete Ergänzungsfragen werden von einem Matrixsatz eingeleitet, wobei der 'eigentliche' Fragesatz mit einem Fragewort eingeleitet wird und als Nebensatz mit Verb-Letzt-Stellung erscheint.[20] Fragekonstruktionen mit Verb-Letzt und einleitendem Fragewort finden sich auch in der Funktion von Nachfragen:

S: mh hm
+4s+ ?also was meinen 'sie jetzt dazu
mit diesem kunstgeschichte
mit der bewerbung^?
D: + ?was ich dazu meine^? =
S:   =ja
D: na daß sie-s auf jeden fall versuchen^
(ID 1493, KIH)

Wie bereits zuvor für Entscheidungsfragen mit Verb-Letzt konstatiert, sind auch bei Nachfrageformulierungen in Form von Ergänzungsfragen mit Verb-Letzt keine Matrixsätze belegt.[21] Dies stützt die zuvor geäußerte Vermutung, daß bei Nachfrageformulierungen die Tendenz zur Kürze besteht.

 

Ergänzungsfragen in Form von einfachen Fragewort-Verwendungen (Erg-FW-iso)

Ein nicht unerheblicher Teil von Ergänzungsfragen wird in Form von einfachen Fragewortverwendungen produziert. Diese sind auch häufig bei Nachfragen belegt:

A: nee + der is %eh::mh la palma_%
B: ?wo?
A: äh:: + auf la palma_
(ID 1291, INF-TEL)

Dabei erscheinen nicht nur die 'üblicherweise' erwähnten Frageworte, sondern auch andere Partikeln wie 'wie bitte?' und 'bitte?' oder auch 'ja?', 'hm?' oder 'hä?'.

M: (wer ham <weibl. vorname>) und <männl. vorname> einmal in münchen getroffen (%noch%)
E: ?'wie bitte?
X: (%genau%)
M: ja
E: zufällig oder (%was%)
M: nee & nee (xxx) &
E:   &in flagranti&
  (ID 1230, INF-ZUS)
 
A: &(echt)& + ich bin auch echt im stress +
ich will ja am fünfzehnten abgeben_
B: ?!he^!?
A: +1+ ä/ + &also & jetz am fünfzehnten 'märz
B:   &fünf/ &  
  ach am 'fünfzehnten märz + ja
(ID 1289, INF-Tel)

'Wie bitte', 'was' 'he^' u.ä. können als nichtspezifizierende Nachfragepartikeln betrachtet werden, mit denen umfangreichere Äußerungsteile oder Äußerungen fokussiert werden (cf. ausführlicher hierzu Rost-Roth 2000: 205ff).

 

Ergänzungsfragen ohne Fragewörter (Erg-oFW)

Zuweilen sind auch Fragevorkommen zu beobachten, die keine Fragewörter aufweisen, aber dennoch als Ergänzungsfragen zu werten sind. Obgleich diese Frageformulierungen keine Fragewörter enthalten, ist auf diese Fragen nicht wie bei Entscheidungsfragen mit Zustimmung oder Ablehnung, sondern wie bei anderen Ergänzungsfragen mit einer Ergänzung bzw. Bestimmung des fokussierten Äußerungsteils zu reagieren:[22]

S: &(noch&mal) das gleiche
D: & ja     &
ja ?und sind genügend gegenstände noch übrichgeblieben +
oder angefalln + aus denen sie dann
ihre schwerpunkte bestreiten könn? +
S: äh für die +
D: für die klausurn +
S: also einen auf jeden fall + denk &ich& mal
(ID 849, KIH)

Auch diese Frageformulierungen können wiederum als elliptische Konstruktionen betrachtet werden.

Vorkommenshäufigkeiten

Strukturtypen bei Ergänzungsfragen

Strukturtyp Beispiel Echofragen andere Nachfragen andere Fragen
Erg-FW-SA was hat Peter gekocht?/

1 (6,25%)

32 (29,35%)

120 (86,95)

Erg-FW-SI Peter hat was gekocht?

11 (68,75%)

3 (2,75%)

2 (1,44%)

Erg-FW-iso wer?/ was?/wie bitte?/hä?

0 (0,00%)

68 (62,38%)

2 (1,44%)

Erg-V-Letzt wer ein Seepferd gekocht hat?

1 (6,25%)

2 (1,60%)

11 (7,97%)

Erg-oFW Peter hat....?

3 (18,75%)

1 (0,91%)

2 (1,44%)

Erg-sonst. -----

0 (0,00%)

3 (2,75%)

1 (0,72%)

Summe  

16 (100,00%)

109 (100,00%)

138 (100,00%)

Aus dieser Übersicht ist ersichtlich, daß im Prinzip alle Strukturtypen bei allen Fragetypen belegt sind. Ausnahme ist nur die isolierte Fragewortverwendung als Echofrage, was aber dennoch nicht ausgeschlossen, sondern im Falle von geechoten Fragewörtern ebenso denkbar wäre.

Speziell bei Nachfragen zeigt sich, daß die meisten Nachfrageformulierungen mit isolierten Fragewortverwendungen realisiert werden.

Bei Echofragen sind Ergänzungsfragen mit Fragewörtern in satzinterner Position zwar am häufigsten, allerdings in anderer Form, als in der Literatur suggeriert, denn Konstruktionen mit Frageworten in satzinterner Position, die oft als typisch für Nachfragen beschrieben werden, kommen eher als Endposition vor.

Interessant ist auch, daß auch Ergänzungs-Nachfragen ohne Frageworte nicht selten zu sein scheinen.

4.1.3 Alternativfragen

Die Realisierung von Nachfragen als Alternativfragen ist insofern bemerkens-wert, als diese Möglichkeit in der Literatur nicht erwähnt - bzw. in einem Fall sogar explizit ausgeschlossen wird. (cf. Götze/Hess-Lüttich 1989:323) Es gibt hierfür aber durchaus Belege:

A: (h) ?fahrt ihr denn mit-m auto^ + oder?
B: ja::^
A: ui + ui:: + is auch ne ganz schöne strecke ?ne^?
B: na ja + vierzehn stunden_
A: puh:::
B: (h) + na ja_ =
A:   =?'vierzehn_?
B: ja::^
A: boh =
B:   =?wenig oder viel-?
A: 'viel
(ID 1344, INF-TEL)

Vorkommenshäufigkeiten

Auch bei Alternativfragen zeigt sich ein hoher Anteil von elliptischen Reali-sierungen (Alt-elli).

Strukturtypen bei Alternativfragen

Strukturtyp Beispiel Nachfragen[23] andere Fragen
Alt Hat Peter das Seepferd gekocht oder gebraten?

0 (0,00%)

12 (80,00%)

Alt-elli gekocht oder gebraten?

7 (87,50%)

3 (20,00%)

Alt-sonst  

1 (12,50%)

0 (0,00%)

Summe  

8 (100,00%)

15 (100,00%)

 

4.1.4 Fazit

Insgesamt ist in Hinblick auf formale Strukturen festzuhalten, daß es bei allen Arten von Nachfragen, d. h. bei Entscheidungsfragen, Ergänzungsfragen und Alternativfragen, einen vergleichsweise hohen Anteil an elliptischer Formulierungen gibt. Hier scheint die Tendenz zu bestehen, Nachfrageformulierungen kurz zu halten und auf die fokussierenden Elemente einzuschränken.[24]

4.2 Nachfragefunktionen

Die Literaturdiskussion ließ deutlich werden, daß die Beschreibung von Nachfragen und Echofragen zwar im allgemeinen mit der Zuschreibung bestimmter Fragefunktionen einhergeht, dabei aber Funktionsbestimmungen und Abgrenzungen unterschiedlicher Funktionen oft diffus anmuten. Dies ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, daß funktionale Aspekte unmittelbarer Beobachtung weniger zugänglich sind als strukturelle Erscheinungen. Von daher sind in Hinblick auf die Erfassung funktionaler Gesichtspunkte weitergehendere Überlegungen notwendig.

Die Beschreibung von Nachfragefunktionen impliziert in der Literatur häufig eine Dichotomie, indem einerseits auf Funktionen verwiesen wird, die dem Bereich der Verständnissicherung zuzurechnen sind, andererseits auf 'andere Funktionen'. Als 'andere Funktionen' werden meist 'Überraschung', 'Verwunderung und 'Erstaunen' genannt, wobei die Kategorie der 'Erwartungsprobleme' von Selting (1995) den allgemeinsten Nenner darstellt. Da aus den Analysen von Selting hervorgeht, daß prosodische Merkmale distinktive und interaktiv relevante Markierungen für diese beiden Funktionsbereiche sind, wird eine Unterscheidung von Verständnisproblemen und Erwartungsproblemen auch bei den folgenden Analysen zugrundegelegt.

Auch Vergewisserungsfunktionen sind zu diskutieren, denn nicht selten wird auch Vergewisserung als Funktion von Nachfragen angeführt, wobei diese häufig in engem Zusammenhang mit verständnissichernden Funktionen genannt wird. Da aber Vergewisserungsfunktionen zum einen nur in manchen Nachfragen und zum anderen auch unabhängig von Nachfragen in anderen Fragen in Erscheinung treten können, erscheint es angemessen, Vergewisserungsfunktionen gesondert zu betrachten und genauer zu behandeln, wie sich diese zu den anderen Funktionen verhalten.

Als Ergebnis einer ausführlicheren Literaturdiskussion konnte des weiteren festgehalten werden (cf. ausführlicher hierzu Rost-Roth 2000: 116ff und 138ff), daß auch Nachfragefunktionen genannt werden, die nicht ohne weiteres den zuvor genannten Funktionsbereichen zuzurechnen sind. Dies trifft besonders dann zu, wenn angenommen wird, daß Nachfragen gestellt werden, um Zeit zu gewinnen oder Korrekturen anzubringen oder wenn Echofragen in Zusammenhang mit Ironie betrachtet werden. Diese Funktionen werden zunächst behelfsmäßig in einer 'Restkategorie' als 'weitere Nachfragefunktionen' zusammengefaßt. Hiermit sind vier Bereiche für die folgende Befassung mit Nachfragefunktionen von Interesse:

- Signalisierung von Verständnisproblemen
- Signalisierung von Erwartungsproblemen
- Vergewisserungsfunktionen
- weitere Nachfragefunktionen

Während der Bereich der Verständnisprobleme und der Erwartungsprobleme in der Literatur bereits ausgiebiger behandelt wurde, steht eine eingehendere Befassung mit Vergewisserungsfunktionen und 'weiteren' Nachfragefunktionen noch aus.

Für den Bereich der Verständnisprobleme ist aufbauend auf Ergebnissen der Literaturdiskussion mit der Unterscheidung von verschiedenen Problemtypen - d. h. auditiven Problemen, Bedeutungsverstehensproblemen und Referenzproblemen wiederum in Anschluß an Selting (1995) - eine weitergehende Differenzierung möglich.

Neben den genannten Verstehensproblemen bzw. Ebenen des Verstehens werden 'Interpretationsprobleme' als weiterer Problemtyp angesetzt. Unter diese Kategorie werden Nachfragefunktionen subsummiert, die in anderer Literatur unter 'propositionalen Rückfragen', 'illokutiven Rückfragen' und 'Inferenzüberprüfungen' angesprochen werden. Gemeinsam ist diesen, daß sie Aspekte der Interpretation und Sinnrekonstruktion in Hinblick auf Propositionen und Sprecherintentionen betreffen und somit ebenso dem Bereich der Signalisierung von Verständigungsproblemen und als weitere Stufe der Verarbeitung sprachlicher Information der Verständnissicherung zuzurechnen sind.[25]

4.2.1 Verständnisprobleme

In Hinblick auf bereits vorliegende Studien zu Verständnisproblemen wie die von Selting 1995 und Peretti 1993 ist anzumerken, daß sich deren Analysen und Beispiele schwerpunktmäßig auf Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen konzentrieren. Von daher ist ein zentrales Anliegen der hier vorgenommenen Analysen zunächst, anhand von Frageformulierungen aus den Daten zu belegen, daß unterschiedliche Arten von Verstehensproblemen auch mit unterschiedlichen Fragearten bearbeitet werden können.[26]

4.2.1.1 Bedeutungsverstehensprobleme

Um Bedeutungsverstehensprobleme handelt es sich, wenn die Äußerung zwar auditiv wahrgenommen, aber Elementen der Ausdrucksseite kein inhaltlicher Sinn zugeordnet werden kann.[27] Auch Bedeutungsverstehensprobleme können sowohl mit Ergänzungs-Nachfragen als auch mit Entscheidungs-Nachfragen behandelt werden. Im folgenden Beispiel wird eine Klärungsaufforderung in Form von einer Ergänzungsfrage formuliert:

D: entweder bewerben fürs &hauptfach &
S:   &ja             &
D: oder umschreiben fürs hauptfach je nach dem ob da beschränkungen sind im höheren semester oder nicht_
S: mh hm
?und was heißt-n das umschreiben also?
&?(h) wonach richtet sich denn das? &
D: &ja umschreiben::                             &
sagen wir dazu wenn:-s zulassungs'frei ist im höheren fachsemester
S: mh hm
D: dann stellt man einfach n-umschreibeantrag
S: + aha ?und &das geht so^? &
(ID 884, KIH)

Bedeutungsverstehensprobleme können ebenso mit Entscheidungs-Nachfragen behandelt werden, in denen Hypothesen formuliert werden:

D: ich hatte über das nachrückverfahren mit ihnen gesprochen
über die möglichkeit des losverfahrens
(h) und auch über die möglichkeit
'extern zu studieren^
     +2s+ &also externe&
S: ? &extern heißt&
  wenn ich nich ein&geschrieben     &?
D:       &eingeschrieben &
     was sie jetzt ja schon machen
aber 'dann auch unter der zielsetzung
'scheine zu machen^
S: genau=
(ID 894)

Der Unterschied liegt darin, daß bei Ergänzungs-Nachfragen die Bedeutung erfragt wird (hier: umschreibn), im Falle von Entscheidungs-Nachfragen hingegen eine Hypothese über die Bedeutung expliziert und geprüft wird (extern heißt xxx).[28]

4.2.1.2 Referenzprobleme

Auch Referenzprobleme können mit unterschiedlichen Fragearten bearbeitet werden: 'Referenzprobleme' entstehen, wenn es dem Hörer z. B. bei lokalen oder temporalen Verweisen nicht möglich ist, die entsprechenden Referenten zu identifizieren.

A: äh:: ja_ +
?was machste denn heute 'abend +1+ zum beispiel_?=
B: =?%was is denn heute_%? + 'mittwoch_
A: donners &tag_     &  
B:   &donners& tag_ + bis jetz eigentlich noch nix_
A: ah ja_ + (h) [gähnt] 'ja + &dann laß uns&
    &[gähnt]        &
A: doch 'da treffen_ + &äh        &  
B:   &?wo::_?& =
A:     =heute mein ich +
  heute abend + &(x)     &
B:   &ach so&
  (ID 1370, INF-TEL )

Auch auf Referenzprobleme kann wiederum mit Entscheidungs-Nachfragen reagiert werden:

E-L: ?und wo bis-se geboren^?
I-C: bielefeld
E-L: +2+ mh + ?und has-se (hier) auch länger gelebt?
I-C: ?in bielefeld^?
E-L: mhm^
(ID 640, P-MoLL)

In diesen Entscheidungs-Nachfragen wird quasi als Hypothese expliziert, worauf sich das problematische Element der Vorgängeräußerung bezieht.

4.2.1.3 Auditive Verstehensprobleme

Auch auf auditive Verstehensprobleme kann mit unterschiedlichen Fragearten reagiert werden. Hier sind als Ergänzungs-Nachfragen häufig auch nichtspezifizierende Nachfragepartikeln wie 'was?', 'hä?' oder 'wie bitte?' 'zu beobachten.[29]

A: (h) ja es 'war zu voll + dann war komisches 'wetter
und es war irgendwie komische stimmung
+ und 'ich war völlig am ende^
+ (h::) + weil ich gestern echt irgendwie (h) n totales tief hatte
  + weil ich &(bin x)/ &  
B: ! &sei mal & ruhig + <Carlo> + 'wirklich!
  +1+ ?bitte^?
A: (h) + nee weil ich so-n totales 'tief hatte gestern + &(x xx)&
(ID 1325, INF-TEL)

Auf problematische Äußerungsteile kann aber auch gezielt mit Fragepronomen verwiesen werden:[30]

A: die kostet sechshundert + und hat (xx) quadratmeter_
B: ?wieviel^?
A: is aber inner 'wönnichstraße + in 'lichtenberg halt_+1+
(ID 1357, INF-TEL)

Auditive Probleme können ebenso auch mit Entscheidungs-Nachfragen bearbeitet werden:

D: so wer is dran? +2+ ?frau (<schramm)? +
S: ähm nein & <hemmer>    &
D:   &nehm sie platz & +
S: danke +1+
D: ?<hemmer>?
S: ja
(ID 838, KIH)

Hier wird mit einer Wiederholung überprüft, ob ein Name richtig gehört wurde.

4.2.1.4 Interpretationsprobleme

Neben den drei Kategorien, auditiv, Bedeutung und Referenz, die sich in diesem Sinne auch bei Selting und Peretti finden, wurden Interpretationsprobleme als eine weitere Kategorie angesetzt.

In der Literatur finden sich hier sehr unterschiedliche Beobachtungen.[31] Oft werden Beispiele angeführt, die Formulierungen mit 'meinen' enthalten, oder mit 'also' 'ach' oder 'ach so' eingeleitet werden:

A: (h) wobei das mit den &münd& lichen prüfungen
B:   &(h)    &  
A: das kannst-e auch 'rauszögern- +
das is nich mehr so streng +
  'streng is nur die magisterarbeit_ + &(di/) &  
B:   &ach  & so_ + ?ach 'echt^?
     + ?das kann also über neun monate 'geh-n + möglicherweise_?
(ID 1288, INF-TEL)

Oft sind hier auch Formulierungen mit 'heißen' zu beobachten:[32]

D: äh also mit bestimmten wortbildungsmodelln
?ne?
?+5+ und + wenn sie sagen
sie ham sich da mit der substantivkompositon
genauer beschäftigt
soll das dann heißen
daß sie +
theoretisch jedenfalls +
was weiß ich^ über so + ä::h +
naja all diese + verschiedenen möglichkeiten
der substantivkompositabildung im deutschen
daß sie dann das darüber
(oder) daß sie die gliedern könnten
und darüber was schreiben^?

?oder mehr so so allgemeine probleme? +
S: na ich würde erstmal allgemein anfangen mit vielleicht
mit grundtypen der wortbildung
so als einführung und
D: (also so ne) derivation und
S: &ja so &
D: &(xx) & was abgegrenzt & wird ja          &  
S:   &so dis so kurz & anreißen
  (ID 1037, KIH))

Geht man davon aus, daß - wie oben argumentiert - alle Problemtypen im Bereich der Verständnissicherung mit beiden Fragearten bearbeitet werden können, stellt sich die Frage, ob auch auf Probleme, die Anlaß zu Entscheidungs-Nachfragen im Sinne von 'Inferenzüberprüfungen' bei Selting oder 'propositionalen Fragen' bei Peretti geben, mit Entsprechungen in der anderen Frageart, d. h. hier in Form von Ergänzungs-Nachfragen, reagiert werden kann.[33] Eine Entsprechung zu den o. g. Entscheidungs-Nachfragen ('das heißt also...', 'sie meinen jetzt daß...' u.ä.) kann in Nachfragen gesehen werden, in denen im Sinne von 'was heißt das?', 'was meinen Sie?' signalisiert wird, daß etwas nicht interpretiert werden kann. Auch hierfür finden sich Belege in den Daten:

D: ja^im hauptstudium müssen sie dann selber
mit dafür sorgen tragen
daß sie aus dem ganz breiten angebot hier n vernünftigen gang
S: hm =    
D:   =machen + & ja^&  
S:     &also& nich ä:h goethe und expressionismus
  und sondern irgendwie so eine richtung
?oder + wie mein sie das?
D: j::a also das sie mindestens zwei schwerpunkte sich an&eignen &
S:   ... & hm     &
D: %ja^% + und möglichst herausfinden
'wenn deutsch ihr erstes hauptfach bleiben soll
S: ja =
D:   =auch noch welcher gegenstand sie 'so intressiern würde
  (ID 859, KIH)
 
S:  +1+ und zwar +1+ hab ich zu hause erst festgestellt
ich brauch ja im grundstud/ äh-im hauptstudium +
  ähm insgesamt drei hauptseminare =
D:   =ja::^
S: ne^ und ich war hier und hab also jetzt nur eins anerkannt bekomm +
D: hm
S: und da bräucht-ich noch n zweites +
das hab ich total vergessen +
D: ?ja-was-heißt n zweites?
ich hab ihn doch alles anerkannt
  was sie/ was sie mir vorgelegt hatten =
S:    =genau
  aber da ging-s/ ähm also ich hatte gesagt
ich bräuchte noch ein hauptseminar^
ich hatte ja schon ein hauptseminar
das hab ich an der ef u gemacht
und die semesterwochenstunden
D: ja
S: und ich hatte aber ganz übersehn
daß ich zwei hauptseminare anerkannt haben muß
(ID 839, KIH)

Auch Nachfragen, die mit 'wie' eingeleitet werden, können als Signalisierung von Interpretationsproblemen angesehen werden:

B: ?wie lange wart &ihr^?&  
A:   &(h)     & + ah ja:: + 'sechs tage nur +
  und dann halt die 'hin + und rückfahrt +1+
  aber das war ganz toll_ + &so mit eltour/&  
B:   &'hin/ + 'wie    & hin und rückfahrt_?
A: also + 'zusätzlich noch + hab ich jetz nich mitgezählt_ +
  also wir war-n &mit 'sechs/    &  
B:   &?seid ihr nich& 'geflogen_?
A: doch wir sind hingeflogen +
also 'ein tag hab ich jetz nur gerechnet
(ID 1364, INF-TEL)

In diesem Zusammenhang ist auch zu überlegen, ob Fragen mit 'wie' als Ellipsen von 'wie meinst du/wie meinen sie' anzusehen sind.[34]

4.2.1.5 Fragearten und Optionen

In bezug auf Fragearten wurde ausgeführt, daß Ergänzungsfragen und Entscheidungsfragen als Ausdruck von unterschiedlichen Arten von Informationsdefiziten angesehen werden können. Betrachtet man Nachfragen als Fragen, die Informationsdefizite in bezug auf vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner zum Ausdruck bringen, heißt dies, daß in Hinblick auf diese Bezugs-äußerungen unterschiedliche Arten von Informationsdefiziten zum Ausdruck gebracht werden. Dabei werden im Falle von Ergänzungsfragen Informations-Lücken signalisiert, im Falle von Entscheidungsfragen Informationen zur Überprüfung von Hypothesen eingeholt und im Falle von Alternativfragen verschiedene Hypothesen überprüft.

Konkret bezogen auf die Signalisierung von Verstehensproblemen bedeutet dies: Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen verweisen auf Nichtverstandenes bzw. Nicht-Interpretierbarkeit, Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen und Alternativfragen verweisen auf Unsicherheiten, in denen Verstandenes oder Intepretiertes einer Überprüfung unterzogen wird.

Als Ergebnis in bezug auf verständnissichernde Funktionen kann dementsprechend festgehalten werden, daß offensichtlich alle Arten von Verstehensproblemen sowohl mit Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen als auch mit Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen bearbeitet werden können.

Interessanterweise sind in den Daten zuweilen auch Nachfrageformulierungen belegt, bei denen Ergänzungs-Nachfragen und Entscheidungs-Nachfragen direkt aufeinander folgen:

E-L: hm + und/ (h:) ach ja für ehm/ ?nehmen sie raucher oder nichtraucher?
I-C: %?wobei?% + &?im   & flugzeug?  
E-L:   &?hm?&   hm^
I-C: nichtraucher
E-L: nichtraucher (h) @wobei@ nichtraucher + gut
(ID 625 + ID 626, P-MoLL)
 
B: &ich& laß meine unterlagen machen^
aus 'bonn + macht das so-ne firma^+
für achtun-neunzig mark^ (h) +
da setz ich gleich mein/ mein-nam unter +
und dann fax ich den das zu^ (h) +
un dann soll-n die das alles für mich erledigen_ (h)+
A: ?was denn^? +1+ ?diese lotterie oder was? =
B:   =mh hm
A: ?wieso kannst-es nich 'selber machen^
(ID 1280 + ID 1281, INF-TEL)

Diese Belege zeigen, daß bei der Formulierung von Nachfragen in bezug auf ein- und dieselbe Bezugsäußerung bzw. Ausschnitte derselben offensichtlich die Möglichkeit besteht, unterschiedliche Arten von Fragen zu realisieren.

Aus diesen Belegen geht auch hervor, daß die Kodierung als Frageart und die damit einhergehende Signalisierung von unterschiedlichen Wissensdefiziten nicht nur durch die Art des in der Bezugsäußerung vorliegenden Problems be-stimmt wird, sondern daß offensichtlich - zumindest in manchen Fällen - auf die selbe Bezugsäußerung sowohl mit einer Entscheidungs-Nachfrage als auch mit einer Ergänzungs-Nachfrage reagiert werden kann. Es handelt sich folglich nicht um problembezogene Unterschiede, sondern um Alternativen, die erst auf der Ebene der Problembehandlung aktualisiert werden.[35]

Dabei ist bei Fällen sukzessiv aufeinander folgender Nachfrageformulierungen auch auffällig, daß jeweils bestimmte Reihenfolgen vorliegen. Im allgemeinen werden zunächst Nachfragen in Form von Ergänzungsfragen, dann Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen formuliert, d. h. zuerst wird die Lücke signali-siert, dann eine Hypothese expliziert.

4.2.2 Erwartungsprobleme

Nach Selting (1995: 303) werden Erwartungsprobleme prosodisch markiert, d. h. lauter und/oder höher ansetzend realisiert. Und auch hier lassen sich wiederum Belege dafür anführen, daß Erwartungsprobleme mit beiden Fragearten bearbeitet werden können.

B: @!laß den streß &zuhause_       & !@
A:   &?wieso?+ich & spiel sowieso wahrscheinlich nich mit_
B: ?'was?
A: ich spiel sowieso wahrscheinlich nich mit_
(ID 1340, INF-TEL)

Auch Entscheidungs-Nachfragen können prosodisch markiert als Ausdruck von Erwartungsproblemen interpretiert werden. Im folgenden Beispiel ist die erste Silbe des Wortes 'Frauenparty' durch Betonung hervorgehoben:

B: ja + weil ich geh nämlich erst auf ne frauenparty^
A: ?auf ne 'frauen party^?
B: mh hm
(ID 1373, INF-TEL)

Ein Unterschied in Hinblick auf den Einsatz der Fragearten kann darin gesehen werden, daß der Einsatz von Entscheidungs-Nachfragen den weniger 'markierten' Fall darstellt, da in der Antwortreaktion im Prinzip nur eine Bestätigung gegeben werden muß. Ergänzungs-Nachfragen kann insofern mehr 'Gewicht' zugesprochen werden, als sie vom Produzenten der Bezugsäußerung in der Antwortreaktion mehr verlangen, da die als nicht erwartet behandelte Äußerung in der Antwort noch einmal wiederholt werden muß.

4.2.3 Vergewisserung

In der Literatur werden in Hinblick auf Nachfragen auch immer wieder Vergewisserungsfunktionen angesprochen. So liegt es auch bei dem folgenden Beispiel nahe, Vergewisserungsfunktionen und Informationssicherung als Motivation und Funktion der Nachfragen zu unterstellen:

B: ja_ + (h) + 'dann bestell ihm doch einfach bitte +
daß ich hab mit <meier> gesprochen^ +
  &um       & achzehn uhr würden wir
A: &mh hm &  
B: uns am samstag bei 'ihm + zu hause treffen_
A: (h) ?am samstach^ + &um achzehn uhr_&
B:   &um achzehn uhr_&
A: + bei ihm zu hause_?
B: ganau_
(ID 1438, INF-TEL)

Handelt es sich um Nachfragen in Form von Wiederholungen, unterscheiden sich diese im Prinzip nicht von verständnissichernden Nachfragen bei auditiven Problemen. Eine Klassifizierung als ('auditives') Verstehensproblem oder als 'Vergewisserung/Informationssicherung' kann also nicht aus der Nachfrageformulierung, sondern nur über Kontextwissen abgeleitet werden:

Zwar wird im folgenden noch ausführlicher auf Ambiguitäten bei Nachfragefunktionen eingegangen, so daß diese Ambivalenz an sich nicht als Grund dafür anzusehen wäre, Vergewisserungsfunktionen als eigenständigen Funktionsbereich zu problematisieren. Ein grundlegender Einwand ergibt sich jedoch aus der Überlegung, daß im Prinzip alle Entscheidungsfragen als Ausdruck einer Vergewisserung angesehen werden können. Daraus folgt einerseits, daß das Besondere von Nachfragen lediglich darin liegt, daß es sich um Vergewisserungen in bezug auf vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner handelt. In diesem Sinne erscheint es dann auch plausibel von 'Informationssicherung' zu sprechen. In Einklang mit den vorausgehenden Ausführungen zu Funktionsbereichen und Fragearten scheint es des weiteren folgerichtig, anzunehmen, daß sich diese Vergewisserung bzw. Informationssicherung auf unterschiedliche Problemtypen (d. h. auf Wahrnehmungs-, Bedeutungs-, Referenz- und Interpretationsprobleme) sowie Erwartungsprobleme beziehen kann.

Diese Überlegungen stehen auch in Einklang mit der unter Punkt 4.2.1 belegten Argumentation, daß unterschiedliche NF-Funktionen und Problemtypen jeweils mit Entscheidungsfragen oder Ergänzungsfragen als Ausdruck unterschiedlicher fragelogischer Konzepte signalisiert werden können.

In Hinblick auf Vergewisserungsfunktionen kann schließlich eine weitere Differenzierung vorgenommen werden. Vergewisserungsfunktionen und Informationssicherung können sich sowohl auf die Inhaltsseite als auch auf die Ausdrucksseite der Bezugsäußerung beziehen: Der Bezug auf die Ausdrucksseite erfolgt mit Wiederholungen, der Bezug auf die Inhaltsseite mit Paraphrasierungen oder anderen Reformulierungen als Explikation von Interpretationen.

In bezug auf 'Vergewisserungsfunktionen' ist darüber hinaus auch von Interesse, daß sich hier ein breiteres Ausdrucksspektrum in Hinblick auf Möglichkeiten zur Signalisierung unterschiedlicher Antworterwartungen zeigt.[36] Fallende Intonation kann als Erwartung einer Bestätigung interpretiert werden, steigende Intonation als Offenheit in bezug auf die Antworterwartung. Unterschiedliche Antworterwartungen können des weiteren durch Modalpartikeln und Negationen (cf. hierzu insbesondere Hentschel 1998) und durch unterschiedliche Wortstellung und die Alternative Verb-Erst- vs. Verb-Zweitstellung zum Ausdruck gebracht werden. Interessant ist hier, daß es bei Nachfragen und Echofragen in bezug auf den Einsatz dieser Mittel bestimmte Einschränkungen gibt. Geht man davon aus, daß in Entscheidungs-Nachfragen Gehörtes bzw. Interpretiertes expliziert und einer Überprüfung unterzogen wird, bedeutet dies, daß mit unterschiedlichen Antworterwartungen auch unterschiedliche Sicherheitsgrade in bezug auf Annahmen über das Zutreffen bzw. Nichtzutreffen, der Explikation des Gehörten bzw. der Interpretation zum Ausdruck gebracht werden kann.

4.2.4 Beobachtungen zu weiteren Nachfragefunktionen

Im folgenden sollen noch Nachfragefunktionen angesprochen werden, die zuvor als 'weitere' Nachfragefunktionen bezeichnet wurden, weil sie weder den Verständigungsproblemen noch den Erwartungsproblemen unmittelbar zugeordnet werden können. Zudem erschienen die Darstellungen eher beliebig in bezug auf die jeweils angesprochenen Funktionen.

4.2.4.1 Zeitgewinn

'Zeitgewinn' (cf. Griesbach 1986: 24 und Burkhardt 1986: 39f) wird besonders bei Nachfragen in Anschluß an Fragen als Motivation unterstellt, wobei Nachfragen mit Verb-Letzt als 'typisch' angesehen werden (cf. hierzu die Ausführungen zu Nachfragefunktionen in der Literaturdiskussion).

S:  mh hm
+4s+ ?also was meinen 'sie jetzt dazu
mit diesem kunstgeschichte
mit der bewerbung^?
D: + ?was ich dazu meine^? =
S:   =ja
D: na daß sie-s auf jeden fall versuchen^
+ an der ef u
+ daß sie-s parallel versuchen an der humboldtuni
vielleicht auch an der te u
alles andere erfahren sie im 'märz
(ID 1493, KIH)

Als Indiz dafür, daß es sich bei Nachfrageformulierungen mit Verb-Letzt-Stellung um Nachfragen handelt, mit denen Zeit gewonnen werden soll, kann die vergleichsweise aufwendige Formulierung gewertet werden, die in Kontrast zu den ansonsten überwiegend elliptischen Nachfrageformulierungen steht.

Aber auch hier sind eindeutige Zuordnungen oft nicht möglich. Es ist ebenso denkbar, daß es sich um eine Informationssicherung in bezug auf die in der Antwort zu fokussierenden Aspekte handelt. Auch hier gibt es offensichtlich Ambiguitäten.

4.2.4.2 Belustigung

Es ist auch zu beobachten, daß Nachfragen eingesetzt werden, um einem gewissen Amusement über Äußerungen der Gesprächspartners Ausdruck zu verleihen (cf. hierzu auch die Ausführungen zu ironischen Nachfragen bei. Wilson/Sperber 1992, 1988a und 1988b sowie Meibauer 1987b):

B: ?<Carlo>^ + kommst du nochmal^? +1+
der muß nach seiner pfanne gucken_ @@
A: ?@nach seiner 'pfanne@?
B: ja + der macht immer was zu essen jetz
(ID 1366 INF-TEL)

Belustigung wird dabei vor allem auch durch 'flankierende' Signale, wie Lachen markiert. Die Nachfrage selbst dient dabei vor allem dazu, die Äußerungsteile, die der Anlaß der Belustigung sind, zu fokussieren und Bestätigung einzuholen.

4.2.4.3 Korrektur

Nachfragen können z. B. in Korrekturfunktion eingesetzt werden, in dem sie bestimmte Aspekte der Bezugsäußerung als korrekturbedürftig bzw. falsch markieren:

B: ?ach der is nich da^? + ?wo is-n der?
A: nee + der is %eh::mh la palma_%
B: ?wo?
A: äh:: + auf la palma_
B: ?auf las palmas?
A: %ja::%
B: ?ja un wann kommt-n der zurück^?
(ID 1292, INF-TEL)

Grundsätzlich erscheinen Nachfragen als Korrekturen besonders deshalb geeignet, weil durch die Frageform ein Wissensdefizit signalisiert wird und Korrekturen durch diese Signalisierung von Unsicherheit (für den korrigierten Gesprächspartner) 'moduliert' und damit gesichtswahrend eingesetzt werden können. Zudem wird durch die Frageform ein Sprecherwechsel eingeleitet. Erfolgt die Wiederholung ohne Abänderung, wird dem Korrigierten auch die Möglichkeit zur Selbstkorrektur eingeräumt.[37] Im obigen Beispiel kommt hinzu, daß nicht eindeutig festzustellen ist, ob eine Korrektur beabsichtigt ist, oder ob es primär um Verständnissicherung geht.

4.2.4.4 Fazit: Weitere Nachfragefunktionen

Auffällig ist, daß es bei vielen Nachfragefunktionen offensichtlich nicht um die Deckung von Informationsdefiziten geht. Folglich ist zu überlegen, warum gerade die Frageform eingesetzt wird. Hier ist im Falle von Korrekturen ist anzunehmen, daß der Einsatz von Fragen als Ausdruck von Wissensdefiziten in Hinblick auf drohenden Gesichtsverlust (d. h. face-Organisation) und Aspekte der Höflichkeit günstig ist, und dazu beiträgt, den Korrekturschritt zu 'modulieren' und abzuschwächen. Zudem wird durch das Einfordern einer Antwort ein Sprecherwechsel eingeleitet, der auch Positionen zur Selbstkorrektur eröffnen kann. Da Selbstkorrekturen gegenüber Fremdkorrekturen als präferiert anzusehen sind (cf. Schegloff/Jefferson/Sacks 1977), ist auch dieser Aspekt in Hinblick auf Gesichtswahrung und Höflichkeit von Bedeutung. Der mit der Frageformulierung eingeleitete Sprecherwechsel bildet andererseits z. B. aber auch die Voraussetzung dafür, daß Nachfragen ebenso eingesetzt werden können, um Zeit zu gewinnen.

An Beispielen wie diesen deutet sich an, daß die Frageform auch gewählt werden kann, weil Frage-Antwort-Relationen und gegebenenfalls Antwortdeterminationen ein besonders starkes Mittel darstellen, den folgenden Gesprächsverlauf zu beeinflussen: Über Fragen kann nicht nur die Gesprächsbeteiligung geregelt werden, indem ein Sprecherwechsel eingeleitet wird, gleichzeitig kann darüber hinaus auf den folgenden Gesprächsbeitrag auch formal und inhaltlich sehr weitgehend Einfluß ausgeübt werden, indem bestimmte Antwortreaktionen relevant gesetzt werden.

Damit lassen sich die Fokussierungsleistung und der Interrogativmodus als grundlegende Funktionen festhalten, die Nachfragen geeignet machen, in verschiedenen Funktionen und zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt zu werden (cf. hierzu ausführlicher 5.2.2).

 

5 Schlußfolgerungen

Die folgenden Überlegungen, befassen sich abschließend mit dem Verhältnis der verschiedenen Nachfragefunktionen und Funktionsbereiche und den Beziehungen zwischen Nachfragefunktionen und Nachfrageformen.

5.1 Systematisierung verschiedener Funktionsbereiche

In Hinblick auf die unter Punkt 4.2.1 besprochenen Arten von Verständigungs-problemen wird zunächst der Versuch unternommen, diese in einem systematischen Zusammenhang zu sehen: Verfolgt wird hier die Annahme, daß diese mit verschiedenen Ebenen des Verstehensprozesse korrelieren, die aufeinander aufbauen, bzw. einander implizieren. Im Prinzip ist davon auszugehen, daß Voraussetzung für Verstehen jeweils ist, daß etwas auditiv wahrgenommen wird, daß das sprachliche Zeichen in bezug auf seinen Bedeutungsgehalt bekannt ist und daß hierin jeweils Voraussetzungen für die Herstellung eines Bezugs auf außersprachliche Referenten liegen.[38] Die folgende schematische Darstellung gibt eine Übersicht über die genannten Verstehensprobleme und betroffenen Bereiche der Kommunikation:

Überblick: Verstehensprobleme und betroffene Bereiche der Kommunikation

Problemtypen Aktivitäten auf der Hörerseite Betroffener Bereich der Kommunikation
auditive/akustische Verstehensprobleme Hören/Wahrnehmen Kanal
Bedeutungs-
verstehensprobleme
Dekodieren Zeichen/Code
Referenzprobleme außersprachliche Referenten zuordnen außersprachlicher bzw. sprachlicher Bezug
Interpretationsprobleme Rekonstruktion der Bedeutung auf der Äußerungsebene Sprecherintention/
'Gemeintes'

Es handelt sich hierbei um ein stark vereinfachtes Modell, bei dem mit der Annahme unterschiedlicher Ebenen beispielsweise keine Aussage darüber getroffen werden soll, inwiefern die verschiedenen Aspekte des Verstehensprozesses sukzessive oder parallel ablaufen (cf. hierzu insbesondere Hörmann 1976: 460 ff und 484ff und Gerke 1995). Es geht hier lediglich darum, Bezüge zu Kommunikationsbereichen herzustellen, für die es in bezug auf die Bearbeitung von Verstehensproblemen und Problemsignalisierungen in Form von Nachfragen Evidenzen gibt.

Die Differenzierung von interaktiv relevanten Nachfragefunktionen und ihren sprachlichen Konventionalisierungen im Bereich der Verständnissicherung können nun im Prinzip auch als Ausgangspunkt gesehen werden, um weitere Funktionsbereiche 'zu verorten': In Hinblick auf Nachfragen, die Erwartungsprobleme signalisieren, hat Selting (1995) gezeigt, daß diese im Prinzip auf den Mitteln beruhen, die ansonsten der Verständnissicherung dienen, jedoch mit dem Unterschied, daß diese prosodisch markiert realisiert werden.

In Hinblick auf 'weitere' Nachfragefunktionen wurde hier unter Punkt 4.2.4 argumentiert, daß es sich nicht um eigenständige Signalisierungen handelt, sondern um Nachfragerealisierungen, die im Prinzip der Verständnissicherung oder Erwartungsproblemen zugerechnet werden könnten, jedoch unter Voraussetzung entsprechenden Kontextwissens bzw. Annahme bestimmter Bedingungen auch anders motiviert sein können. M. a. W.: Das im Bereich der Verständnissicherung und der Erwartungsprobleme ausdifferenzierte Repertoire an Nachfragen kann auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden.

Im Prinzip lassen sich also in bezug auf Nachfrage-Funktionen drei Ebenen unterscheiden:

1. Auf der ersten Ebene gibt es ein ausdifferenziertes System zur Signalisierung von unterschiedlichen Verständigungsproblemen.
2. Auf der zweiten Ebene gibt es Nachfragen, die Erwartungsprobleme signali-sieren, wobei sich diese Stufe bzw. dieser Funktionsbereich durch prosodische Markiertheit auszeichnet, ansonsten aber die Mittel der ersten Ebene aufgreift, bzw. auf diesen operiert.
3. Auf der dritten Stufe handelt es sich im Prinzip um Nachfrageverwendungen, bei denen Nachfrageformulierungen der ersten oder zweiten Stufe zu anderen Zwecken, d. h. nicht zur Verständnissicherung und nicht zur Signalisierung von Erwartungsproblemen eingesetzt werden, sondern um anderen Zwecken zu dienen und andere Funktionen zu erfüllen.

5.2 Ambiguitäten und Vagheiten

Ungeachtet dessen, daß sich in vielen Fällen bestimmte Nachfragefunktionen und die Indizierung unterschiedlichen Problemtypen empirisch nachvollziehen lassen, zeigt die Untersuchung zahlreicher Beispiele, daß es im konkreten Einzelfall oft nicht möglich ist, eindeutige Zuordnungen zu bestimmten Nachfragefunktionen vorzunehmen.[39] Probleme der Identifizierung von Problemtypen werden auch in der Literatur immer wieder thematisiert.[40] Methodisch wird in den meisten Untersuchungen so verfahren, daß nicht nur die Nachfrage selbst, sondern auch die Antwortreaktion daraufhin betrachtet wird, welcher Art die Problembehandlung ist, um über (erfolgreiche) Problembehandlungen auf die Problemursache zu schließen.[41] In Hinblick auf die übergeordnete Fragestellung der vorliegenden Arbeit interessiert jedoch weniger eine Störungsidentifikation im Sinne einer Rekonstruktion von Störungsursachen, als vielmehr die Frage, welche Informationen in den Nachfragen selbst enthalten sind. Diese ist nicht nur in bezug auf die Analyse von Nachfragefunktionen von Belang, sondern auch fundamental für das Verständnis grundlegenderer Prinzipien der Interaktion; denn auch für die Interaktionspartner kann - außer ihrem Kontext-Wissen - nur die Nachfrage selbst entsprechende Informationen liefern.[42]

Obgleich davon auszugehen ist, daß Nachfrage-Formulierungen nicht selten auch in der Interaktion unterschiedliche Problemzuschreibungen zulassen,[43] scheint dies nichtsdestotrotz vielfach unproblematisch für die Interaktion zu sein. Dies gilt insbesondere für Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen, bei denen lediglich mit Zustimmung oder Ablehnung zu reagieren ist.[44] In diesen Fällen scheinen die Informationen und Relevanzen, die sich einerseits aus der sprachlichen Realisierung der Fokussierungsleistung und andererseits aus dem Einsatz der Interrogation ergeben, für die Interaktionspartner als Anhaltspunkte für die Realisierung von Folgeäußerungen ausreichend zu sein. Die Fokussie-rungsleistung und die Leistung der Interrogation scheinen sich auch in dieser Hinsicht als grundlegende/zentrale Funktionsparameter zu erweisen.

5.3 Zentrale Funktionsparameter

Die Annahme von zwei zentralen Funktionsparametern - d. h. 'Fokussierungsleistung' und 'Signalisieren eines Informationsbegehrens/Interrogation' - ist insofern weiterführend, als über diese auch die Gemeinsamkeiten der ansonsten sehr unterschiedlich erscheinenden Nachfragefunktionen und Funktionsbereiche faßbar werden.

Das Wesen der Nachfrage kann zum einen darin gesehen werden kann, daß vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner fokussiert werden, und zum anderen darin, daß diese Fokussierung in Frageform geschieht.

Nachfragen sind als Mittel zur Fokussierung vorausgehender Äußerungen der Gesprächspartner in besonderem Maße geeignet und ökonomisch, weil hier auch auf Konventionalisierungen, die im Bereich der Verständnissicherung ausgebildet wurden, zurückgegriffen werden kann (Ausführlicher zur Fokussierungsleistung cf. Rost-Roth 2000: 220ff, 232ff u 287ff).

Mit dem Einsatz der Frageform sind zugleich weitere Implikationen verbunden: Durch die Frageform erfolgt die Signalisierung eines Informationsdefizits. Dieser Umstand kann auch strategisch, z. B. für Understatement bzw. aus Gründen der Gesichtswahrung eingesetzt werden. Nachfragen sind zugleich wirksames Mittel zur Einleitung eines Sprecherwechsel denn sie setzten als erste Teile von Frage-Antwort-Sequenzen konditionelle Relevanzen in Kraft. Nachfragen ermöglichen auch eine sehr weitreichende Einflußnahme auf die Folgeäußerungen. Durch die Antwortdetermination können Art und Inhalt der folgenden Äußerung des Gesprächspartners sehr weitgehend bestimmt werden.

Zentrale Funktionsparameter:
  • Leistung der Fokussierung
    • Eingrenzung der problematischen Äußerungen bzw. Äußerungsteile
    • Verweise auf Ausdrucks- oder Inhaltsseite
  • Leistung der Interrogation
    • Signalisierung eines Informationsdefizits
    • Einleitung eines Sprecherwechsels
    • Einflußnahme auf Folgeäußerung via Antwortdetermination

Der Umstand, daß die Fokussierung in Frageform zugleich mit einer Signali-sierung von Informationsdefiziten und der Einleitung eines Sprecherwechsel mit weitreichenden Vorgaben für die Folgeäußerungen in Form von Antwortreaktion verbunden ist, ist als Grund dafür anzusehen, daß der Einsatz von Nachfragen zu vielfältigen Zwecken genutzt werden kann.

5.4 Form-Funktions-Bezüge

Festzuhalten bleibt, daß Nachfrage-Formen sinnvoll nur unter Berücksichtigung der Bezugnahmen auf andere Äußerungen und die Fokussierungsleistung unterschiedlicher Bezugstypen beschrieben werden können. Hier ist auch zu beachten, daß Echofragen und andere Nachfragen unterschiedliche Produktionsbedingungen haben. Auch Funktionen von Nachfragen sind umfassender nur unter Berücksichtigung der Äußerungskontexte und Fokussierungsleistungen zu beschreiben. Das Ergebnis der Literaturdiskussion, daß Darstellungen von Form-Funktions-Bezügen in den meisten Darstellungen in der Literatur nicht haltbar sind, ist u.a. auch darauf zurückzuführen, daß diese Bezüge in der Literatur nicht ausreichend beachtet werden.

Die Kombination der hier als zentral angesehenen Funktionsparameter 'Fokussierung' und 'Interrogation' machen Nachfragen nicht nur besonders geeignet, zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt zu werden, sondern bewirken auch, daß sie als Reparaturinitiierungen fungieren, bzw. ein herausragendes Mittel der Reparaturinitiierung darstellen.

Wie bereits ausgeführt, sind Nachfragen durch die Ausdifferenzierung der Mittel im Bereich der Problemsignalisierung ein besonders ökonomisches Mittel, vorausgehende Gesprächsschritte bzw. Teile von Äußerungen der Gesprächspartner als problematisch zu fokussieren. Je nach Art der Bezugnahme (Cf. ausführlicher zu diesen Bezügen Rost-Roth 2000: 190ff) und den in Relation zur Bezugsäußerung vorgenommenen Modifikationen können Nachfragen dabei entweder als Fremdreparatur fungieren oder Selbstreparaturen einleiten. Im Falle der Fremdreparatur kann die Interrogation als Modulation und Abschwächung wirken und hierüber der Gesichtswahrung dienen. Zum anderen kann die Interrogation über die mit ihr verbundene Einleitung eines Sprecherwechsels dazu dienen, dem Sprecher des problematisierten turns eine Position zur Selbstreparatur zu eröffnen.

In Zusammenhang mit Reparaturfunktionen lassen sich auch formale Unterschiede zwischen Nachfragen und anderen Fragen erklären. Nachfragen fungieren als Reparaturinitiierungen Aus der Tendenz, Reparaturen als Unterbrechungen des laufenden Gesprächsstroms durch Reparaturen kurz zu halten, erklärt sich auch die Tendenz, Reparaturinitiierungen knapp zu formulieren. Dies erklärt die besonders hohen Anteile von elliptischen und verblosen Äußerungen bei Nachfragen, wobei elliptische Strukturen zugleich in Hinblick auf die Fokussierungleistung wesentliche Funktionen übernehmen.

 

Anmerkungen

1 Cf. Rost-Roth (2000). Für die Unterstützung in der Endphase dieser Arbeit gilt mein besonderer Dank hier Harald Weydt. [zurück]

2 Cf. zu ähnlichen Bemühungen auch den Gebrauch des Begriffs 'Interrogativa' bei Zaefferer. Eine Parallele kann hier auch zu der Bestrebung bei Zifonun et al. (1997) gesehen werden, die 'Quaestive' als übergeordneten Begriff einführen. Leider wird dies aber nicht weiter erläutert oder begründet. [zurück]

3 Intonationsfragen sind hier eingeschlossen. [zurück]

4 Im Spannungsverhältnis Frageform-Fragehandlung liegt damit das Interesse auf der Auseinandersetzung mit Frageformen und ihren Verwendungen. Nicht primär von Interesse sind hier Äußerungen, die allein aufgrund pragmatischer Verwendungen und Kontextbedingungen als Fragehandlungen interpretiert werden können. Allerdings werden in Zusammenhang mit der Betrachtung von Entscheidungsfragen mit Verb-Zweit-Stellung auch einige Grenzfälle betrachtet. Bezogen auf die Terminologie von Zifonun et al. (1997) bedeutet dies, daß Ausgangspunkt der Analyse das 'Diktum' bei Quaestiven ist: "Für das Diktum besteht die Anforderung, genau dieses Verhältnis von Gewußtem und Nicht-Gewußtem sprachlich zum Ausdruck zu bringen ('sagen, was man nicht weiß'). Dann kann es als Frage verstanden und beantwortet werden. Das, was der Fragende wissen will, bezeichnen wir als Interrogatum." (ebd.: 104). [zurück]

5 Selting unterscheidet zwischen 'globalen' und 'lokalen Verstehensproblemen'. Für die vorliegende Untersuchung sind insbesondere die Analysen zu 'lokalen Verstehensproblemen' von Bedeutung, da die hierunter aufgeführten 'Problemmanifestationen' den hier interessierenden Nachfragen entsprechen. [zurück]

6 Hier ist auch die Untersuchung von Echofragen in verschiedenen Sprachen von Interesse. Cf. hierzu beispielsweise Comorovski (1996) und Janda (1985). In diesem Zusammenhang werden auch multiple w-Fragen thematisiert. [zurück]

7 Altmann (1987: 47ff) unterscheidet 'V-1-Fragesatz' und 'w-V-2-Fragesatz' als Grundtypen. 'Mischtypen' weisen die formalen Merkmale von zwei Grundtypen von Satzmodi auf. Meibauer (1987b: 138) setzt Echofragen mit den von Altmann beschriebenen Mischtypen in Verbindung. [zurück]

8 Intonatorische Varianten gehen auch nach den Analysen von Selting (1995) mit unterschiedlichen Funktionen einher (cf. hierzu Abschnitt 2.4). [zurück]

9 Untergliederungen u.ä. wurden - soweit vorhanden - aus den jeweiligen Darstellungen übernommen. Hier wurden nur Grammatiken verzeichnet, die bei Ausführungen zu Fragen von einer Fragetaxonomie ausgehen und etwas ausführlichere Darstellungen von verschiedenen Fragearten oder Fragesätzen aufweisen. Dementsprechend wurden beispielsweise Admoni (1982) und Eisenberg (1989) nicht aufgenommen. [zurück]

10 Für diese Kapitel zeichnen unterschiedliche Autoren verantwortlich (Kap. C1, s. 103 ff Hoffmann, Kap. D2 S. 640ff. Zifonun). [zurück]

11 Die Befassung mit Nachfragen, die auf Reformulierungen der Bezugsäußerungen beruhen, nimmt generell in der Literatur einen sehr untergeordneten Stellenwert ein. Eigene Daten und die Analysen der vorliegenden Untersuchung weisen jedoch darauf hin, daß Reformulierungen, und hier insbesondere Reformulierungen, bei denen Implikationen expliziert werden, besonders häufig vorkommen (cf. Rost-Roth 200). [zurück]

12 Die Datensammlung umfaßt daraüber hinaus weitere Vorkommen mit nichtmuttersprachlichen Realisierungen, so daß sich die Datensammlung insgesamt auf Vorkommen beläuft. Die folgenden Ausführungen beschränken sich jedoch auf die muttersprachlichen Fragerealisierungen. Zu nichtmuttersprachlichen Fragerealisierungen cf. Rost-Roth (im Erscheinen), wo insbesondere komplexere Fragekonstruktionen von Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern im Vergleich betrachtet werden. [zurück]

13 Obgleich der Status von Alternativfragen unterschiedlich gesehen wird und diese teilweise auch als Sonderfall der Entscheidungsfragen betrachtet werden, werden Alternativfragen hier als eigene Frageart analysiert. Dies erscheint vor allem auch sinnvoll, weil diese Möglichkeit der Nachfrageformulierung noch kaum Beachtung gefunden hat. [zurück]

14 In Rost-Roth (2000: 159ff) finden sich für die einzelnen Strukturtypen jeweils weitere Beispiele in Form von Nachfragen und in Form von anderen, thematisch weiterführenden Fragen. [zurück]

15 Im folgenden werden in Anlehnung an P-MoLL (cf. Dittmar et al. 1990) die folgenden Transkriptionskonventionen verwendet:

+ Pause
+N+ Pause mit Sekundenangabe
&string&
&string&
gleichzeitig gesprochen
/ Abbruch
string^ steigende Intonation
string_ fallende Intonation
@string@ lachend gesprochen
%string% leise gesprochen
:: gedehnt gesprochen
?string? Markierung der Fragevorkommen
[zurück]

16 Hier werden zwar indirekte Fragen und selbständige Verb-Letzt-Sätze realisiert, jedoch nicht mit 'ob', sondern mit Fragewort eingeleitet (cf. hierzu auch die Ausführungen zu Verb-Letzt-Konstruktionen bei Ergänzungsfragen). [zurück]

17 Wunderlich benutzt dieses Beispiel für Echofragen, hier wird die Grundidee aufgegriffen und auf weitere Beispiele angewandt, um die empirisch belegten Strukturtypen zu veranschaulichen. [zurück]

18 Verb-Zweit-Fragen werden in der Literatur verschiedentlich als 'vergewisserungs-fragen' oder 'Bestätigungsfragen' bezeichnet. Der relativ hohe Anteil von Verb-Zweit-Fragen an frei formulierten thematisch weiterführenden Fragen ist in sich ein interessanter Befund. In Hinblick auf die Alternative Verb-Erst und Verb-Zweit bei Entscheidungsfragen kann auch ein engerer Zusammenhang mit der Signalisierung von Antworterwartungen angenommen werden (cf. Rost-Roth 2000: 248ff). [zurück]

19 'Was' fungiert hier als unspezifische Fragepartikel. Da diese umfangreichere Äußerungsteile oder auch gesamte Äußerungen fokussieren können, ist die Funktion der Teilwiederholung hier in der Eingrenzung der problematischen Äußerungsteile zu sehen (zu 'was' und anderen nichtspezifizierenden Fragepartikeln cf. Rost-Roth 2000: 205ff). [zurück]

20 Hierbei handelt es sich um 'indirekte Fragen', wenn der einleitende Matrixsatz assertiven Charakter hat. [zurück]

21 Interessant ist bei eingeleiteten Verb-Letzt-Konstruktionen auch, daß sich die Frageart im einleitenden Matrixsatz und im eingebetteten Fragesatz unterscheiden können, insofern im Matrixsatz eine Entscheidungsfrage und im eingebetteten Fragesatz eine Ergänzungsfrage vorliegen kann. Entsprechend sind diese Verb-Letzt-Konstruktionen nur als eingebettete Fragesätze als Ergänzungsfragen zu betrachten; unter Berücksichtigung möglicher Einleitungen und elliptischer Auslassungen von einleitenden Matrixsätze sind sie hingegen als Entscheidungsfragen zu werten (cf. oben ID 1493).Hier können im Prinzip einleitende Matrixsätze im Sinne von 'haben Sie gefragt....' substituiert werden (also hier: 'haben Sie gefragt, was ich dazu meine'). Angemessene Antwortreaktionen auf diese Frageformulierungen sind demgemäß Bestätigungen oder Ablehnungen - die sich auch in den Belegen beobachten lassen. [zurück]

22 Selting (1987:92) spricht bei entsprechenden Äußerungen von 'Konstruktionsabbrüchen', Peretti (1993:129) von 'präfokussierten Leerstellen'. [zurück]

23 Da Alternativfragen naturgemäß mehr als ('reine') Wiederholungen enthalten, werden sie hier - auch wenn sie Teilwiederholungen enthalten - nicht als Echofragen betrachtet, sondern als 'andere' Nachfragen. [zurück]

24 Hier sind vor allem auch Verbindungen zu den sprachlichen Mitteln der Bezugnahme auf vorausgehende Äußerungen der Gesprächspartner (d. h. Fragewörter, Teilwiederholungen und Kombinationen derselben) interessant, da sich auch enge Zusammenhänge mit (Re-)Fokussierungsfunktionen zeigen. Cf. hierzu ausführlicher Rost-Roth 2000: 190ff). [zurück]

25 Die Berechtigung, diese in einer Kategorie zu fassen, leitet sich weiterhin daraus ab, daß nicht nur Inferenzen im Sinne von Schlußfolgerungen, sondern auch andere Reformulierungen mit Bezugnahmen auf illokutive und propositionale Aspekte im allgemeinen auf der Explikation von Bedeutungsimplikationen und damit auf Inferenzleistungen beruhen. Cf. hierzu auch Blakemore (1994) und Noh (1998). [zurück]

26 Aus Platzgründen können hier wieder nur einzelne Beispiele aufgeführt werden. In Rost-Roth (2000:157ff) finden sich weitere Belege. [zurück]

27 Im Prinzip handelt es sich hier um Verstehensprobleme, die die Dekodierung sprachlicher Zeichen betreffen. Diese sind z. B. auch typisch für fremdsprachliche Erwerbsprozesse oder Fachsprachen. [zurück]

28 Mit entsprechenden Nachfragen wird nicht selten auf Fachwortschatz reagiert. [zurück]

29 Da Fragepartikeln als unspezifische Verweise anzusehen sind, die die problematischen Teile nicht weiter eingrenzen, sind hier auch Kombinationen mit Teilwiederholungen zu beobachten. [zurück]

30 Die Alternative 'Fragepronomen' vs. 'nichtspezifizierende Nachfragepartikel' zeigt einen Zusammenhang mit der Art des Problems, d. h. damit, ob das Problem auf bestimmte Äußerungskonstituenten beschränkt ist, bzw. ob diese identifiziert werden können. [zurück]

31 Cf. Selting (1995:270) zu 'Inferenzüberprüfungen' und Peretti (1993:) zu 'propositionalen Rückfragen' sowie Engel (1988:55ff.) zu' propositionalen' und 'illokutiven Rückfragen'. Parallelen zeigen sich auch zu dem von Bremer (1997) geschilderte 'Hypothesentesten'. [zurück]

32 Bei Entscheidungs-Nachfragen wurde bereits gezeigt, daß hier auch Alternativen in bezug auf die Verbstellung, d. h. Verb-Erst-Stellung vs. Verb-Zweit-Stellung bestehen ('heißt das' vs. 'das heißt' ebenso wie 'meinen sie xxx' vs. 'sie meinen xxx'). Mit Unterschieden in der Verbstellung gehen Unterschiede in der Antworterwartung einher, wodurch unterschiedliche Sicherheiten in bezug auf Annahmen über das Zutreffen der explizierten Interpretationen zum Ausdruck gebracht werden können. [zurück]

33 Dies mag bezogen auf die Bezeichnung 'Inferenzüberprüfung' widersinnig erscheinen, denn es liegen keine Überprüfungen vor. Mißt man aber weniger der Bezeichnung der Kategorie Bedeutung bei und orientiert sich an den dargestellten Merkmalen und Beispielen, zeigt sich, daß es auch in den von Selting angeführten Beispielen oft um Interpretationsprobleme im weiteren Sinne geht und diese zudem nicht nur mit Inferenzen überprüft, sondern auch mit Wiederholungen bearbeitet werden können. In Anbetracht dieser Beobachtungen erscheint der Gedanke, diese Kategorie weiter zu fassen, nicht mehr abwegig. [zurück]

34 Nachfragen dieser Art werden von Selting (1987) dem Problemtyp 'lokale Bedeutungsverstehensprobleme' zugeordnet, wobei als mögliche Mittel zur Signalisierung, u.a. Explikationen wie 'wie meinen sie', 'was heißt das', Fragewörter wie 'wie' oder 'wat für' oder Zitierungen der problematischen Äußerungsteile genannt werden. Problematisch ist hier jedoch, daß die Kategorie 'lokale Bedeutungsverstehensprobleme' relativ weit gefaßt ist, da es weniger um die Bedeutung selbst geht, als um die Interpretierbarkeit im Kontext, und jeweils unterschiedliche Problembearbeitungen erwartbar sind. [zurück]

35 Hier kann davon ausgegangen werden, daß immer dann, wenn eine Hypothesenbildung möglich ist, im Prinzip auch eine Informations-Lücke signalisiert werden kann, umgekehrt ist allerdings vorstellbar, daß Lücken bestehen können, bei denen keine Hypothesenbildung möglich ist. [zurück]

36 In bezug auf sprachliche Mittel zur Signalisierung von Antworterwartungen ist festzuhalten, daß es auch hier noch wenig empirisch fundierte Beobachtungen zu Fragen in gesprochener Sprache gibt. In der Literatur zu Nachfragen und Echofragen werden zwar öfter Beobachtungen angeführt werden, bei denen Verbindungen zu Antworterwartungen gesehen werden können, jedoch wird dieser Zusammenhang nicht weiter verfolgt. Von daher werden Mittel zur Signalisierung von Antworterwartungen auch genauer untersucht (cf. Rost-Roth 2000: 248ff). [zurück]

37 Im Sinne der Konversationsanalyse handelt es sich hier um sog. 'modulierte', d. h. abgeschwächte Korrekturen (cf. hierzu Schegloff/Jefferson/Sacks 1977 und Jefferson 1983). Werden Korrekturen mit Nachfragen in prosodisch markierter Form realisiert, bedeutet dies, daß diese Korrekturen wiederum als der markiertere Fall zu werten sind, indem Diskrepanzen zwischen Inhalten oder Formen von Nachfragen und Bezugsäußerungsäußerung 'zusätzlich' als Erwartungsprobleme markiert werden. [zurück]

38 Auch Selting geht davon aus, daß es eine Verbindung zwischen den verschiedenen Typen von Verständigungsproblemen und verschiedenen Ebenen des Verstehensprozesses gibt, jedoch steht bei ihr zunächst die Auseinandersetzung mit Präferenzen bei der Problemsignalisierung im Vordergrund. Grundlegend ist die Annahme, daß es Präferenzen bei der Signalisierung dieser Problemtypen gibt, die u.a. dadurch bestimmt sind, wie 'gravierend' die Probleme bzw. die Problembehandlungen sind (cf. Selting 1987: 165ff.). [zurück]

39 Dieser Sachverhalt gerät leicht aus dem Blickfeld, wenn man, wie dies recht verbreitet ist, für einzelne Problemtypen nur exemplarische Beispiele präsentiert; cf. hierzu beispielsweise die Analysen von Selting (1987 u. 1995), Peretti (1993) oder auch Bremer (1997). Versucht man hingegen in Anwendung auf umfangreichere Corpora zu rekonstruieren, welche Probleme jede einzelne Nachfrage motivieren und welcher Art das zugrundeliegende Problem ist, zeigt sich, daß dies in vielen Fällen nicht möglich ist. Ein Grund hierfür liegt darin, daß - wie im vorausgehenden Abschnitt geschildert - das Repertoire verständnissichernder oder Erwartungsprobleme signalisierender Nachfragen zu anderen Zwecken eingesetzt werden kann. [zurück]

40 Cf. hierzu auch Rost-Roth (1990) oder (Bremer et al. 1996: 12 ff. u. 40ff.). Entsprechende Betrachtungen verkomplizieren sich nicht zuletzt auch dadurch, daß oft nicht klar zwischen Ursachen der Störungen, gestörten Bereichen und Konsequenzen der Störung unterschieden wird. [zurück]

41 Allerdings ist der Versuch, bestimmte Problemtypen über die Betrachtung der Antwortreaktionen zu identifizieren, in Anwendung auf die empirisch häufiger untersuchten Ergänzungs-Nachfragen aufschlußreicher als bei den hier gleichermaßen berücksichtigten Entscheidungsfragen, da bei Ergänzungsfragen verschiedene Formen der Problembearbeitung in den Antwortreaktionen erfolgen können. Bei Nachfragen in Form von Entscheidungsfragen liegen hingegen als Antworten nur Ratifizierungen in Form von Zustimmung oder Ablehnung vor, wodurch die Rekonstruktion des Problemtyps bzw. der entsprechenden Kategorisierung auch weniger Anhaltspunkte hat. [zurück]

42 Und nicht - wie für die Analysierenden - ihre Antwortreaktion bzw. ihr Versuch der Problembeseitigung. [zurück]

43 Dies zeigt sich auch darin, daß in Hinblick auf Problemkategorisierungen 'Rekategorisierungen' möglich sind: Selting (1987 und 1995) geht davon aus, daß bei den von ihr beschriebenen 'Problemmanifestationen' eine Problemkategorisierung Voraussetzung für die Problembearbeitung durch die Gesprächspartner ist. 'Rekategorisierung' bedeutet in diesem Zusammenhang, daß diese Annahmen im Verlauf einer Reparatursequenz auch revidiert werden können. Es gibt eine Reihe von Nachfrageformen, die bereits in anderen Arbeiten als 'vage' eingestuft wurden. So charakterisiert Engel (1988:55) 'was' und 'wie bitte?" als 'allgemeinste Form der Rückfrage'. Bremer (1997) beschreibt 'Problemmanifestationen' wie 'bitte, 'hm', 'mh vas', 'was' und 'ich habe nich verstandn' als "unspezifischere Form der Problemmanifestation" (Bremer 1997:90ff). [zurück]

44 So trifft zwar Seltings Beobachtung zu, daß Problembearbeitungen oft eine Problemkategorisierung voraussetzen oder implizieren, aber es zeigt sich zugleich, daß in vielen Fällen eine engere Zuordnung zu Problemtypen auch (noch) nicht vorgenommen werden muß. Im Prinzip ist eine Signalisierung von Problemtypen und Problemkategorien interaktiv nur dann notwendig, wenn sie auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Problembehandlung darstellt. [zurück]

 

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