Linguistik online  16, 4/03

Zweifelsfälle in der Wortstellung im 18. Jahrhundert

Marek Konopka (Mannheim)



1 Einleitung

Das 18. Jahrhundert gilt für viele als die Epoche, in der sich die syntaktischen Regeln des heutigen Standarddeutschen herauskristallisiert haben. Diese Auffassung hängt mit der in der Forschung weit verbreiteten Überzeugung zusammen, dass sich in dieser Zeit endgültig die so genannte neuhochdeutsche Schriftsprache herausbildete, wobei die grammatische Variation eine Einschränkung erfuhr und so die grammatischen Möglichkeiten der heutigen Standardsprache entstanden (cf. zu entsprechenden Zitaten Konopka 1996: 15ff., zur ausführlichen Kritik Ágel 2000: 1855ff). Angesichts solcher Meinungen wäre zu vermuten, dass sich im 18. Jahrhundert die Grammatikalisierungsprozesse in besonderer Weise auf den Bereich der syntaktischen Zweifelsfälle auswirkten. Unter syntaktischen Zweifeln sind hier Unsicherheiten in der Bewertung syntaktischer Strukturen bei ein und demselben Sprachbenutzer zu verstehen. Diese Unsicherheiten können zum einen die Grammatikalität der Strukturen betreffen, zum anderen die Akzeptabilität der auf diesen Strukturen basierenden Ausdrücke einschließlich ihrer situationsbedingten Angemessenheit. Typischerweise beziehen sich Zweifelsfälle auf Strukturpaare: Der Sprachbenutzer schwankt zwischen mindestens zwei syntaktischen Möglichkeiten, unsicher, welcher der Vorzug zu geben ist.

Als Quelle für Hinweise auf mögliche Zweifelsfälle wurde ein Korpus zeitgenössischer sprachreflexiver Werke genutzt, das Grammatiken und ähnliche Werke umfasst. [1] Sie entstammen der Zeit zwischen 1723 und 1775 und könnten daher die entscheidende Phase in der Herausbildung wichtiger syntaktischer Regeln des heutigen Deutsch reflektieren, sollte die Annahme von Forschern wie Admoni (1990: 219) oder Betten (1993: 142) zutreffen, dass das grammatische System des Deutschen gerade seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Wesentlichen stabil geblieben ist (cf. dazu kritisch Ágel 2000: 1855).

Die Autoren der zeitgenössischen sprachreflexiven Werke thematisieren zwar kaum eigene Zweifel, was angesichts der vorwiegend normativen Ausrichtung der Sprachreflexion im 18. Jahrhundert verständlich ist, dennoch verraten die Werke - vor allem, wenn man sie untereinander vergleicht -, dass es in der untersuchten Zeit öfter alternative Konstruktionen gab, zwischen denen ein Sprachbenutzer schwanken konnte. Konkrete Anhaltspunkte für Zweifelsfälle ergaben sich dabei hauptsächlich, wenn ein Autor:

Auffällig kontrovers wurde in den untersuchten Werken die Wortstellung behandelt, was angesichts der gängigen Meinung, dass im 18. Jahrhunderts die Grammatikalisierung der Klammerstrukturen erfolgte (z. B. Eichinger 1995: 311f., dazu Ágel 2000: 1875), besondere Aufmerksamkeit verdient. Daher konzentriert sich dieser Beitrag auf die Wortstellung und innerhalb dieser insbesondere auf die folgenden vier Bereiche, in denen sich eindeutige syntaktische Oppositionen in den untersuchten sprachreflexiven Aussagen ermitteln lassen:

  1. die Abfolge der Verben in zweigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz:
  2. Vinf Vfin versus Vfin (X) Vinf

  3. die Abfolge der Verben in dreigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz:
  4. VKinf Vfin versus Vfin (X) VKinf

  5. die Stellung von nichtverbalen und nichtsatzförmigen Konstituenten im Mittelfeld oder im Nachfeld:
  6. X {V, Verbpräfix} versus {V, Verbpräfix} X

  7. die Stellung von Nebensätzen im Nachfeld oder im Mittelfeld:
  8. {V, Verbpräfix} NS versus NS (X) {V, Verbpräfix}

Unter Nebensatz wird hier ein prototypisch unselbständiger Satz mit einleitendem Subjunktor (z. B. dass, ob, als, weil) oder W- bzw. D-Element (z. B. wer, was, wo, welcher bzw. der/die/das) [2] und Verbletztstellung verstanden. Von Klammer wird sowohl bei Verberst- und Verbzweitsätzen mit mehrgliedrigen Verbalkomplexen als auch bei Verbletztsätzen gesprochen. Die Verwendung derartiger Termini ist möglich, weil die Anweisungen der Autoren sprachreflexiver Werke die gleichen kanonischen Positionen des Verbs sowie eine ähnliche Korrelation zwischen der Verberst-, Verbzweit-, Verbletztstellung und den Satzmodi bzw. dem Vorhandensein eines Einleitungselements erkennen lassen wie heute.

Die Auswertung sprachreflexiver Aussagen legt nahe, dass es sich bei der Variation im Bereich 1 um eine ältere Erscheinung handelt, die im Laufe des 18. Jahrhundert aus der geschriebenen Sprache der Gebildeten verschwindet. Dagegen scheinen die Variationen in den Bereichen 2-4 im 18. Jahrhundert viel stärker ausgeprägt zu sein. Sie sind teilweise heute noch von Bedeutung. Im Folgenden werden die Oppositionen aller Bereiche nacheinander näher vorgestellt. Die Einzeldarstellungen sind ähnlich aufgebaut: Nach einem Blick auf diejenigen sprachreflexiven Aussagen, die es erlauben, die Geltung der Varianten irgendwie einzugrenzen [3] , wird betrachtet, ob bzw. wie die Varianten im Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts tatsächlich benutzt wurden. Diese Betrachtung bezieht sich hauptsächlich auf die im Literaturverzeichnis zusammengestellten Sprachgebrauchsquellen aus der Zeit zwischen 1724 und 1775, die als Beispiele für die geschriebene Sprache der gebildeten Öffentlichkeit (im Weiteren Schriftsprache) gelten können [4] . Soweit möglich wird dabei versucht, die Faktoren des Variantengebrauchs ausfindig zu machen und auf dieser Grundlage die einzelnen Zweifelssituationen zu modellieren. Dabei werden vielfach Ergebnisse von Konopka 1996 herangezogen, die auf der Grundlage des gleichen Quellenmaterials zustande kamen. Zum Schluss werden zusammenhängend die Beziehungen zwischen den Zweifelsfällen und diachronen Entwicklungen im Sprachsystem betrachtet und die sprachexternen Faktoren der Zweifelsfälle sowie der Umgang zeitgenössischer Sprachtheoretiker mit den Zweifelsfällen thematisiert.

 

2 Abfolge der Verben in zweigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz [5]

Die Voranstellung des Finitums (Vfin (X) Vinf) wird nur von den beiden ältesten Autoren Bödiker (1746: 405) und Hieber (1724: 488) empfohlen, von Bödiker in der schon 1690 entstandenen Regel zur Periode [6]:

Eine ganze Spruch=Rede, Periodus, läßt sich am füglichsten mit dem Haupt=Zeit=Worte, Verbo primario, schlüßen.
Also müssen gemeiniglich die Hülfwörter, ich bin, ich habe, ich werde, und dann auch die gleichsam als Hülfwörter sind: Ich mag, kann, will, muß, darf, soll, u.s.w. vorhergehen. (Bödiker 1746: 405)

In Bödikers Beispiel steht zwischen dem finiten Modalverb und dem Infinitiv noch ein komplexes Präpositivkomplement, während das Akkusativkomplement vor dem Finitum zu finden ist. So erscheint ein Teil der infiniten Verbalphrase nach rechts verschoben:

(1) Der beste Sieg ist, wenn man [NP seinen Feind]i kann [VP ti zur Reue, und nicht zur Misgunst bringen]. (Bödiker 1746: 405)

Alle anderen Autoren fordern die Nachstellung des Finitums bzw. des Hilfsverbs (Vinf Vfin) (z. B. Aichinger 1754: 547, Dornblüth 1755: 206, Gottsched 1762: 493, 495, Braun 1765b: 569f., Faber 1768: 38, Hemmer 1775: 607f.). Wippel, der Bearbeiter der "Grundsätze" Bödikers, kritisiert sogar explizit dessen Beispiel: "... sein gegebenes Exempel ist wieder die richtige Wortfügung. Es ist besser, wenn man sagt:"

(1a) Der beste Sieg über seine Feinde ist, wenn man sie durch Wolthaten zur Erkenntniß bringen kann. (Wippel in Bödiker 1746: 405)

In den Sprachgebrauchsquellen tritt die Reihenfolge Finitum vor infinitem Verb (Vfin (X) Vinf) insgesamt gesehen selten auf. Häufiger erscheint sie nur in drei oberdeutschen Quellen (HIE, OET, SIM) und einer westmitteldeutschen Quelle (GOL), aber sie ist in diesen immer noch seltener als die Nachstellung des Finitums. Bemerkenswert ist außerdem, dass sie in norddeutschen und ostmitteldeutschen Quellen gar nicht zu finden ist (cf. Konopka 1996: 212). Zunächst sollen hier die Fälle untersucht werden, in denen das Finitum und das infinite Verb unmittelbar nebeneinander stehen (Vfin Vinf bzw. Vinf Vfin). In der ältesten Quelle HIE ist in den untersuchten Texten von 1724 für die Variation der Faktor Wortlänge bzw. Rhythmus von Bedeutung. Nur längere infinite Verben stehen öfter nach dem Finitum (das höchstens zweisilbig sein kann), kürzere infinite Verben stehen davor: Die Reihenfolge Vfin Vinf überwiegt erst bei viersilbigen infiniten Verben, z. B. muß heraußkommen, wollte heraußschmucken, liesse angedeihen, lasset herein gehen, aber auch: ausgemustert werde, unterscheiden kundte. Dagegen herrscht die Reihenfolge Vinf Vfin bei ein- und zweisilbigen infiniten Verben eindeutig vor, z. B. seyn möge, seyn wollen (3. Person Plural), gethan hat, gebraucht wird, geredt habe, gethan haben (3. Person Plural), traumen lassen (3. Person Plural) — hier konnte nur eine Ausnahme gefunden werden: könne haben (HIE 305). Interessanterweise stünde bei umgekehrter Reihenfolge bei zweisilbigem Partizip Perfekt wie auch einsilbigem infinitem Verb — anders als in allen oben angeführten Beispielen — eine betonte Silbe am Ende der Verbgruppe, z. B. *hat ge'than, *wird ge'braucht, *habe ge'redt, *möge 'seyn.[7] Dass ein solcher Abschluss der Verbgruppe vermieden wurde, verträgt sich sehr gut mit der modernen Auffassung, dass der Trochäus, in dem eine betonte Silbe vor einer unbetonten Silbe steht, im Deutschen der bevorzugte metrische Fuß ist (cf. z. B. Spiekermann 2002: 118). Die Reihenfolge Vfin Vinf tritt häufig bei trennbaren infiniten Verben auf wie in muß heraußkommen (HIE 292), lasset herein gehen (HIE 201). Dies scheint ebenfalls mit der rhythmischen Gestalt der Verbgruppe zusammenzuhängen bzw. durch die Analogie zu dreigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz wie muß gelten lassen (HIE 295) bedingt zu sein. Derartige Korrelationen von Prosodie und Abfolgevariation weisen auf den Einfluss der gesprochenen Sprache hin. Allerdings sind sie nur in der ältesten Quelle eindeutig feststellbar. Ansonsten scheint die Stellung Finitum vor infinitem Verb vor allem dann aufzutreten, wenn das infinite Verb den Fokus [8] bildet:

(2) Man lese C. 4 wie ein Mensch müsse [F anfahen], diese Dinge an sich zu kennen. (OET 236)

Kontext: Inhaltsüberblick über die Schriften Jakob Böhmes. Vor dem Zitat werden einige Theorien Böhmes kurz geschildert, auf das Zitat folgt die Beschreibung, womit man beginnen soll, um zu gleichen Einsichten zu gelangen.

(3) Diese Langmüthigkeit Gottes, der die Gottlose gedultet, und die Laster der Menschen in diesem Leben nicht abstrafet, giebt eine deutliche Prob, daß ein Zeit zu gewarten seye, worinn er seine Gerechtigkeit gegen die Sünder werde [F ausüben]. (GOL 29f.)
(4) Dies hiese, das menschliche Herz sehr wenig erkennen, wenn man aus dergleichen ungefehr entwischenden Worten gar nichts machen wollte: öfter entdecken sie viel deutlicher die Gesinnungen unserer Seel, als die bestens überlegte Worte: hieraus ist augenscheinlich, daß selbige die Ausdrücke der Gesinnungen seyen, welche uns die Natur hat [F eingedruckt]; daß es Züge seynd vom Ebenbild Gottes, welches noch in unserer Seele, wiewohl jämmerlich verstaltet, verblieben ist; und daß sie also ein starken Beweis des Daseyns Gottes ausmachen. (GOL 22f.)

Betrachtet man die Fälle, in denen zwischen dem Finitum und dem infiniten Verb nichtverbale Konstituenten stehen (Vfin X Vinf), stellt man fest, dass die Nachstellung (eines Teils) der infiniten Verbalphrase ebenfalls hauptsächlich der Verdeutlichung der Fokussierung zu dienen scheint:

(5) Dieses kann der Verfasser nicht läugnen, wenn Er nicht will [F unvernünfftig in den Tag hinein sprechen]. (SIM 331)
(6) ... die Ubung ward meine Hebamme/ ohne welche gewißlich unsre Teutsche Helden=Sprach in ihrer Zierlichkeit nimmermehr wird [F auf die Welt kommen]. (HIE 301f.)
(7) Es ist natürlich, sagt Minutius Felix, daß man jenen verachte, den man fürchtet, und ihn sogar, wann es möglich wäre, wolle [F tod haben]. (GOL 28)

Ähnlich wie Beispiele (5) - (7) lässt sich auch das im Folgenden wiederholte Beispiel Bödikers interpretieren: Die Nachstellung eines Teils der infiniten Verbalphrase verhindert die Fokusprojektion bzw. schränkt den Fokus auf gerade diesen Teil der infiniten Verbalphrase ein:

(1) Der beste Sieg ist, wenn man seinen Feind kann [F zur Reue, und nicht zur Misgunst bringen]. (Bödiker 1746: 405)

Den einschlägigen Untersuchungen zufolge hat sich die heute übliche Abfolge infinites Verb vor Finitum zuerst in der Kanzlei- und Geschäftssprache etabliert, und zwar spätestens im Frühneuhochdeutschen (cf. Ebert 1998: 176). Eberts Arbeit zu den Nürnberger Quellen aus dem 16. Jahrhundert zeigt, dass diese Abfolge mit zunehmender Bildung der Autoren und zunehmender Offizialität der Sprachgebrauchsanlässe häufiger wird. Da sie in einigen der von ihm untersuchten Privatbriefe relativ selten ist, vermutet Ebert, dass die gesprochene Sprache in Nürnberg noch Ende des 16. Jahrhunderts zur umgekehrten Abfolge (Vfin (X) Vinf) neigte (Ebert 1998: 173f., 176ff.). Betrachtet man meine Sprachgebrauchsquellen in ihrer Gesamtheit, so scheint die Abfolge Vfin (X) Vinf eher eine Randerscheinung zu sein bzw. an Bedeutung zu verlieren. Somit kann die Variation zwischen der Nachstellung und Voranstellung des Finitums für die Autoren gelehrter Schriften im 18. Jahrhundert nur dann einen Zweifelsfall bedeutet haben, wenn sie aus Süddeutschland kamen und eine starke Affinität zur gesprochenen Sprache hatten. Häufiger dürfte die Variation zu Zweifelsfällen in der geschriebenen und gesprochenen Sprache von Menschen mit niedrigerer Bildung geführt haben.

 

3 Die Abfolge der Verben in dreigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz

Die Abfolge im dreigliedrigen Verbalkomplex im Nebensatz führt heute noch zu Unsicherheiten, man denke hier an Alternativen wie weil er das auch noch in zehn Jahren nicht begreifen können wird/wird begreifen können. Ähnlich wie bei diesem Beispiel geht es in den sprachreflexiven Kontroversen des 18. Jahrhunderts nur um die Abfolge von Finitum und infinitem Verbalkomplex (VKinf). Die Reihenfolge "regiertes Verb vor regierendem Verb" innerhalb des infinitem Verbalkomplexes ist unstrittig.[9]

Die Voranstellung des Finitums (Vfin (X) VKinf) wird ohne Einschränkungen von Gottsched 7(1762:117), Braun (1765: 571) und Faber (1768: 38) empfohlen. Wippel bevorzugt sie nur bei mehreren Infinitiven explizit. Er thematisiert dabei die Schwierigkeiten, eine eindeutige Regel aufzustellen und nennt den Sprachgebrauch, den Wohlklang und die Verständlichkeit als die Kriterien für die konkreten Entscheidungen:

Der Infinitivus könne zuweilen hinten zuweilen vorne stehen. Die Sache lässt sich wirklich nicht in eine untrügliche Regel sezen. Man muss dabei auf den Sprachgebrauch, auf den Wolklang und auf die Verständlichkeit sehen; sonderlich wenn mehrere Infinitivi zusammen laufen, als, es wäre zu wünschen, daß man sich hieraus prüfen lernen wollte: da ist es besser wenn man sagt: Es wäre zu wünschen, daß man sich wollte hieraus prüfen lernen. (Wippel in Bödiker 1746: 406)

Schließlich wird die Notwendigkeit der Voranstellung des Finitums von Aichinger (1754: 548) und Hemmer (1775: 608) nur auf Verbalkomplexe mit einem Ersatzinfinitv eingeschränkt, wobei Aichinger explizit die Anweisungen Gottscheds kritisiert. Aus der Gesamtheit aller Regeln und Beispiele der Autoren der sprachreflexiven Werke ergeben sich folgende konkrete Oppositionen:

wenn ich nicht wäre abgehalten worden (Gottsched 1762: 495) versus wenn ich nicht abgehalten worden wäre (ibd.)

daß ich dahin würde gekommen seyn (Gottsched 1762: 495) versus wenn ich mein Korn eingeerndtet haben werde (Aichinger 1754: 548)

daß man sich wollte hieraus prüfen lernen (Wippel in Bödiker 1746:406) versus durch welchen du deinen Brief bestellen lassen willst (Aichinger 1754: 548)

Die Untersuchung der Sprachgebrauchsquellen zeigt bei der Abfolge von finitem Verb und infinitem Verbalkomplex eine ausgesprochene Variation,[11] von der lediglich Verbalkomplexe vom Typ habenfin (X) Inf Ersatz-Inf (hat erfahren müssen) und werdenfin (X) Inf Infmod (wird einführen können) nicht betroffen sind - in diesen geht das Finitum dem infiniten Verbalkomplex immer voran. Schwankungen in Bezug auf gleiche Verbalkomplexe treten oft bei ein und demselben Autor auf.[12] In Ostmitteldeutschland und Norddeutschland wird dabei das Finitum teilweise deutlich häufiger nachgestellt als in anderen Regionen (cf. Konopka 1996: 215). Bei der Voranstellung des Finitums stehen nach diesem oft nichtverbale Konstituenten (Vfin X VKinf), was ähnlich wie bei zweigliedrigen Verbalkomplexen informationsstrukturelle Gründe zu haben scheint (cf. Härd 1981: 125).

Hier befindet man sich mitten in einer diachronen Entwicklung, die prinzipiell von der Voranstellung des Finitums ihren Ausgang nimmt und hin zu dessen Nachstellung verläuft. Sie ist bis heute noch nicht abgeschlossen (cf. Ágel 2001: 322). Um die Mitte des 18. Jahrhunderts halten sich in den varianten Bereichen global gesehen beide Abfolgen die Waage (cf. Härd 1981: 123f.). Die Präferenz für die eine oder die andere Abfolge scheint teilweise mit der Informationsgewichtung im Verbalkomplex zusammenzuhängen, denn in Verbalkomplexen, die sowohl ein Modalverb als auch ein Hilfsverb enthalten, stehen die Modalverben, die ja in der Regel semantisch gewichtiger sind, meist am Ende, und zwar unabhängig davon, ob sie finit oder infinit sind (cf. Härd 1981: 169). So ist in dem von mir untersuchten Material beim Aufeinandertreffen von finitem Modalverb und infinitem Hilfsverb die Nachstellung des Finitums (erkannt werden könne) vorherrschend und beim Aufeinandertreffen von infinitem Modalverb und finitem Hilfsverb die Voranstellung des Finitums (hat erfahren müssen [13] bzw. wird einführen können) sogar die einzige Positionsmöglichkeit. Außer informationsstrukturellen Faktoren sind für die Variation womöglich auch - ähnlich wie bei zweigliedrigen Verbalkomplexen - rhythmische Faktoren von Bedeutung (man denke hier an den Verweis auf den Wohlklang in der weiter oben zitierten Aussage Wippels). Allerdings scheinen derartige Begleiterscheinungen der Variation zu wenig distinkt zu sein, als dass sie von einem Zweifelnden ohne weiteres entdeckt werden könnten.

 

4 Die Stellung von nichtverbalen und nichtsatzförmigen Konstituenten im Mittelfeld oder im Nachfeld

Die meisten Autoren der sprachreflexiven Werke fordern die Endstellung des Verbs bzw. des Verbpräfixes. Sie formulieren dabei keine Regeln, die es erlauben würden, unter Umständen nichtsatzförmige und nichtverbale (im Weiteren einfache) Konstituenten dem klammerschließenden Element nachzustellen. Vielmehr, um die Ungereimtheit von Ausklammerungen zu verdeutlichen, führen sie negative Beispiele an wie "dieses ist das Unglück der meisten Sünder, dass sie nicht erkennen die Ursache ihres Unterganges" (Braun 1765: 564, vgl. auch "unerlaubte Versetzungen" in Heynatz 1770: 139). Nichtsdestotrotz verirren sich Ausklammerungsbeispiele in andere Wortstellungsregeln dieser Autoren. Ausklammerungen werden somit versehentlich mit empfohlen. So fordert Gottsched in einer Regel zu den Infinitivkonstruktionen mit zu die Nachfeldstellung einer Präpositionalphrase mit einem substantivierten Infinitiv:

Wann aber das zusammengesetzte nur ein Hülfswort ist, so daß in der selben Rede noch ein ander Zeitwort vorkömmt: so wird das getrennte Vorsetzwort, nicht bis ans Ende gesparet; sondern vor dem zweyten Zeitworte gesetzet.
[...] Ich hebe morgen an, zu arbeiten; nicht, zu arbeiten an. Rufe ihn her, oder herauf, zum essen; nicht, zum essen herauf. (Gottsched 1762: 472f)

Dies wird übrigens von Aichinger kritisiert, der die Stellung der Präpositionalphrase vor dem Verbpräfix erlaubt: "Er [= Gottsched] will also nicht billigen, so man sagt: ruffe ihn zum Essen her uff: welches doch so billig ist, als: führe ihn ins Bett hinaus" (Aichinger 1754: 530).

Im Kontrast zu anderen Autoren lassen Aichinger und Hemmer, wenn die Klammer überdehnt zu werden droht bzw. wenn das fragliche Element sehr umfangreich ist, unter Verweisen auf Deutlichkeit und Nachdruck die Ausklammerung explizit zu. Hemmer erwähnt dabei "lange Wörterverzeichnisse" (1775: 619f.) und Aichinger gibt ein Beispiel, in dem ein extrem umfangreiches koordiniertes Subjekt im Nachfeld steht:

Um des Nachdrucks willen kann bisweilen ein ganzes uerbum wider §. 499. dem nominatiuo vorgehen, wenn dieser viel weitläuffige Zusätze hat. Z. B. uns wird allezeit nachgerühmet werden, die unter Anführung Luculli geschehene Versenkung der feindlichen Flotte und Erlegung ihrer Haubtleute, und das unvergleichliche Seetreffen bey Tenedus. Wollte man das uerbum ans Ende sparen: so würde die Rede ganz matt werden. (Aichinger 1754: 554)

In den meisten Sprachgebrauchsquellen unterliegt die Nachstellung von einfachen Konstituenten den gleichen grammatisch-pragmatischen Bedingungen wie in der heutigen Standardsprache. Diese brauchen hier nicht erörtert zu werden. Eine ausführliche Darstellung findet sich z. B. in Zifonun et al. (1997: 1644-1675). In einigen, vor allem süddeutschen Quellen, ist die Häufigkeit der einfachen Konstituenten im Nachfeld allerdings besonders groß. Häufiger als sonst werden in diesen Quellen Präpositionalphrasen ausgeklammert (die auch als Komplemente fungieren können), außerdem treten im Nachfeld wenig umfangreiche nichtpräpositionale Konstituenten auf - eine sonst höchst seltene Erscheinung. Die Nachfeldelemente scheinen meist fokal zu sein, sodass die Nachfeldstellung der Einschränkung bzw. Verdeutlichung des Fokus oder der Fokusspaltung dienen kann.

(8) ... wir können uns keine Vorstellung machen [F von Sachen, die wir nicht empfunden haben]. (JOB 43)

(9) Wie wir bey kommenden Jahren verabsaumen [F den Catechismum]/ vnd gleichsamb vor etwas Kindisches halten, weil wir als Kinder denselbigen lehrnen müssen/ also vernachlässigen wir auch in gestandenen Jahren die Schreib= und Sprach=Lehr/ umb weilen wir uns alberen/ als hätten wir diß Handwerck in unserer Kindheit schon außgelernet ... (HIE 307)

(10) Die erste [14] ist und heisset proprietas Verborum, die eigentliche Bedeutung der Wörter /dann indeme die Wort [F1 die Zungen] seynd [F2 unsrer Gedancken]/ wie sollen dise andren sich erklären können/ wann sie jene nicht haben? (HIE 297)

Die systematische Nutzung der Nachfeldstellung als Fokusposition für Präpositionalphrasen und vor allem für Nominalphrasen ist eine Erscheinung, die wohl im Frühneuhochdeutschen viel häufiger war (cf. Bies 1994). In den untersuchten Quellen des 18. Jahrhunderts geht sie oft Hand in Hand mit der systematischen Nutzung der Konstruktion Vfin (X) Vinf zur Verdeutlichung der Fokussierung im Nebensatz. Sie ist zwar nicht auf so wenige Quellen beschränkt wie die Konstruktion Vfin (X) Vinf, aber insgesamt gesehen (bezogen auf die untersuchten Ausschnitte der Schriftsprache) stellt sie ebenfalls eher eine Randerscheinung dar. Die Alternative zwischen Mittelfeldstellung und Ausklammerung einfacher Konstituenten erscheint somit als eine hauptsächlich pragmatisch gesteuerte Variation, die vor allem im Süddeutschen auch noch systematisch auf jene Konstituenten ausgeweitet werden konnte, die in der heutigen Standardsprache fast ausschließlich vor dem klammerschließenden Element erscheinen. Da die Menge der Konstituentenklassen, die dieser Variation unterlagen, schwankte und die überwiegende Mehrheit der Autoren sprachreflexiver Werke kommentarlos die Endstellung des Verbs bzw. des Verbpräfixes verlangte, gab es auch in diesem Bereich genug Potenzial für Zweifelsfälle.

 

5 Die Stellung von Nebensätzen im Nachfeld oder im Mittelfeld

Diese Alternative scheint im 18. Jahrhundert wie im Gegenwartsdeutschen nur Attributsätze und Adverbialsätze zu betreffen, denn Beispiele für Mittelfeldstellung von Komplementsätzen fehlen in den untersuchten sprachreflexiven Aussagen gänzlich [15] . Die Stellung der Nebensätze nach den klammerschließenden Elementen wird von fast allen Autoren bevorzugt. Sie wird vor allem bei der Gefahr der Überdehnung der Klammer bzw. zwecks Vermeidung mehrfacher Zentraleinbettung gefordert unter Hinweisen auf Dunkelheit, Unverständlichkeit, Verwirrung, Übelstand und Unordnung, die die Mittelfeldstellung der Nebensätze bewirke (z. B. Bödiker 1746: 385, Aichinger 1754: 540, Basedow 1759: 102, Heinze 1759: 184, Gottsched 1762: 475f., Hemmer 1775: 618). Eine Ausnahme ist hier Dornblüth, der die Verbletztstellung als einen Wesenszug und besonderen Vorteil des Deutschen ansieht und dieser sogar die Stellung der Nebensätze unterwerfen will. In diesem Zusammenhang kritisiert er heftig Gottsched: "Herr Gottsched verwirfft p. 104. not p. die Incisa (die er Einschiebsel nennt) mit verdeckten Worten, vermutlich darum, weilen sie denen Franzosen, in welche er sterblich verliebt ist, nicht so üblich seind" (Dornblüth 1755: 209). Beide Autoren äußern sich zu einem Satz von Goldast mit Mittelfeldstellung eines Relativsatzes, cf. (11). Hier fordert Gottsched die Nachfeldstellung des Relativsatzes, cf. (11a), was Dornblüth wiederum ablehnt:

(11) Es ist billig, daß man den deutschen Landen und Provinzen ein Haupt, welches dieselben in sämmtlicher Liebe erhalten, zieren, beschützen, und die Unfurchtsamen, mit dem Zaume weltlicher Gewalt aufhalten möchte, ordnen sollte. (Version Dornblüths bzw. Goldast in Gottsched 1762: 476, cf. Dornblüth 1755: 210)

(11a) Es ist billig, daß man den deutschen Landen und Provinzen ein Haupt ordnen sollte, welches dieselben in sämmtlicher Liebe erhalten, zieren, beschützen, und die Unfurchtsamen, mit dem Zaume weltlicher Gewalt aufhalten möchte. (Version Gottscheds, cf. Gottsched 1762: 476)

Meines Erachtens kann der Relativsatz in (11a), der Version Gottscheds, eher als eine eigenständige Informationseinheit [16] verstanden werden als der Relativsatz in (11). Bei einer solchen Interpretation wäre er nicht-restriktiv [17] und hätte eine eigene Fokus-Hintergrund-Gliederung, die sich in einer relativ selbständigen Intonationskontur ausdrücken würde. Folglich würde (11a) als Ganzes aus zwei Informationseinheiten bestehen. Demgegenüber scheint mir bei (11), der Version Dornblüths, die Interpretation des gesamten komplexen Satzes als nur einer Informationseinheit durch die Mittelfeldstellung des Relativsatzes stärker indiziert zu sein als bei (11a). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Dornblüth immer wieder die Kanzleischriften als seine Vorbilder nennt (z. B. 1755: 6f., 354ff.), während sich Gottsched in seinen theoretischen Werken an den französischen Rationalisten orientiert (cf. Konopka 1996: 64ff.). Dementsprechend ist Dornblüth ein Verfechter eines extrem kohäsiven Textaufbaus, wogegen Gottsched eine einfachere Schreibart empfiehlt und die für die Kanzleischriften typischen Konstruktionen ablehnt (cf. Dornblüth 1755: 4 f., 192; Gottsched 1759: 334, 400 und 1762: 475f). Gottsched setzt programmatisch viel stärker auf die Kohärenz, die den Reihen von Propositionen, die sich aus den Gedankengängen des Textproduzenten ergeben, bereits inhärent ist (Gottsched 1759: 334, 358, 409). Außer bei Dornblüth wird die Mittelfeldstellung eines Nebensatzes nur noch bei Basedow und Hemmer explizit für zulässig erachtet, allerdings nur dann, wenn dem Nebensatz "zahlreiche, lange und vielbedeutende Wörter" (Basedow 1759: 102) bzw. "merkliche Zusätze" (Hemmer 1775: 618) folgen. Hemmers Beispiel lautet:

(12) Er hat diese unglückselige Person, die schon acht Minuten mit den Wellen des stürmischen Rheines gerungen hatte, und so eben in die Tiefe sinken wollte, mit Gefahr seines Lebens errettet. (Hemmer 1775: 618f.)

Der nicht-restriktive komplexe Relativsatz steht darin vor dem fokussierten Teil des Hauptsatzes (dazu auch Konopka 1996: 130f). Er kann, wenn überhaupt, nur unter erheblichem Verlust an Akzeptabilität ins Nachfeld verschoben werden:

(12a) ?Er hat diese unglückselige Person mit Gefahr seines Lebens errettet, die am längsten mit den Wellen des stürmischen Rheines gerungen hatte, und so eben in die Tiefe sinken wollte. (Hemmer 1775: 618f.)

Zu (12) gibt es somit keine ernst zu nehmende Alternative.

Auch in den Sprachgebrauchsquellen kommt es oft vor, dass es zu einer konkreten Nebensatzstellung beim vorhandenen sprachlichen Material keine richtige Alternative gibt bzw. dass die Stellungsänderung mit informationsstrukturellen und manchmal auch semantischen Unterschieden verbunden wäre. Nichtsdestoweniger ist eine Betrachtung des Verhältnisses von Nachfeldstellung zu Mittelfeldstellung der Nebensätze aufschlussreich: In den Sprachgebrauchsquellen überwiegt erwartungsgemäß die Nachfeldstellung der Nebensätze. Allerdings gibt es einige Quellen, die deutlich zur Mittelfeldstellung tendieren. Eine davon ist DOR, aus der folgendes Beispiel stammt:

(13) Disen Mangel [18] aber zu ersetzen, sollten die so sich um das Ubersetzen annehmen wollen, gute ältere Canzley= Gerichts= und Proceß=Schrifften (unter welchen ich die von Annis 1670. da das Cammer=Gericht noch zu Speyr ware, 1680. und 1690. reiner, zierlicher und natürlicher als die jüngeren gefunden hab) fleißig und aufmercksam lesen; in disen aber, oder im Lesen anderer Schrifften und Bücheren, die ihnen von verständigen, ernsthafften, erfahrenen und von der Liebe des Neuen und Frembden nicht eingenommenen Personen für gut gerühmt werden, niemahl auf das sie zierlich bedunckt, sondern auf das was klar, läuffig, fliessend und dem gemeinen Mann sowohl als dem Gelehrten leicht zu begreiffen, darneben jedoch wohl und bindig gesetzt ist, und mit einem Wort, auf das Natürliche sehen und selbiges an sich nehmen. (DOR 6)

Das Beispiel mag es bereits schon verraten haben: In den Quellen lässt sich eindeutig ein Zusammenhang zwischen Nebensatzstellung und Satzkomplexität feststellen, das heißt, in der Regel werden in Texten, in denen Nebensätze einen hohen Anteil an der Summe aller Sätze ausmachen, Nebensätze häufig ins Mittelfeld gestellt. Diachron gesehen ist dabei nur in den oberdeutschen Texten eine nennenswerte Entwicklung zu verzeichnen. Hier scheint global gesehen die Satzkomplexität und die Häufigkeit der Mittelfeldstellung abzunehmen (vgl. Konopka 1996: 195f). Der Zusammenhang zwischen Satzkomplexität und Nebensatzstellung lässt sich zum Teil strukturell erklären. Wichtiger ist aber, dass der Tendenz zu hoher Satzkomplexität und der Tendenz zur Mittelfeldstellung der Nebensätze der gleiche Drang des Autors zur möglichst zusammenhängenden Äußerung, zur Darstellung eines komplexen Sachverhalts als einer Informationseinheit zugrunde liegt. Gibt er diesem Drang bewusst oder unbewusst nach, so können Sätze entstehen, die durch ihren Umfang, durch die extreme Trennung von diskontinuierlichen Konstituenten und durch eine im Einzelnen kaum nachvollziehbare Informationstrukturierung die Verarbeitung der Satzinformation gefährden oder gar unmöglich machen. Die Spannung zwischen dem Kohärenzdrang und dem Verständlichkeitsanspruch kennen wir alle aus unserer eigenen Textproduktion. Ich versuche sie meist zugunsten einer (u. U. gemäßigten) Verständlichkeit aufzulösen, wozu ich nicht zuletzt durch meine Textumwelt angehalten werde. Der Textproduzent im 18. Jahrhundert hat es bei seinen konkreten Entscheidungen nicht so leicht gehabt, denn die extrem komplexe Schreibart, man denke hier an die Kanzlei- und Geschäftsprache, beherrschte einen großen Teil des Spektrums schriftlicher Textsorten und konnte daher viel stärker als heute eine Vorbildfunktion ausüben.


6 Schluss

Die dargestellten Zweifelsfälle sind vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen zu sehen, die hier eine kurze zusammenhängende Behandlung verdienen. Für die untersuchte Zeit sind zwei sprachimmanente Prozesse besonders relevant: Zum einen tendieren Verben im Nebensatz bzw. infinite Verben im Verbzweit- und Verberstsatz immer stärker zum Satzende, zum anderen setzt sich in Verbalkomplexen im Nebensatz bzw. in infiniten Verbalkomplexen im Verbzweit- und Verberstsatz immer stärker die Nachstellung regierender Verben durch. Beide Entwicklungen sind bis heute nicht zum Abschluss gekommen, und dieser ist auch nicht in Sicht. Die erstgenannte Entwicklung ist im 18. Jahrhundert in jedem Fall so weit fortgeschritten, dass im Mittelfeld auch Attributsätze und Adverbialsätze stehen können. Im Laufe der Untersuchungszeit kommt es in der Schriftsprache zu einer spezifischen Grammatikalisierung der beiden Entwicklungen, die in ihren Grundzügen bis heute gilt. Auf dem Weg zu dieser Grammatikalisierung gibt es Zwischenphasen, die im 18. Jahrhundert noch greifbar sind: Für die relevante Zwischenphase im Prozess des Vordringens der Verbendstellung ist es - bezogen auf den Nebensatz - kennzeichnend, dass man ohne größere Beeinträchtigung der Akzeptabilität der Sätze einfache Konstituenten eines größeren Sets an Kategorien dem Finitum folgen lassen konnte als heute. Ebenfalls bezogen auf den Nebensatz lässt sich die relevante Zwischenphase im Prozess des Vordringens der Nachstellung regierender Verben in Verbalkomplexen dadurch charakterisieren, dass man das Finitum dem infiniten Verb bzw. dem infiniten Verbalkomplex noch grundsätzlich voranstellen konnte. Aus der Kombination dieser Zwischenphasen beider Prozesse erklärt sich schließlich das Auftreten der Konstruktionen mit nichtverbalen Konstituenten nach dem Finitum und vor dem infiniten Verb bzw. dem infiniten Verbalkomplex (Vfin X Vinf bzw. Vfin X VKinf).

Da Grammatikalisierungsprozesse nie eindeutig linear verlaufen und durch die Überlappung verschiedener Zwischenphasen eines Prozesses charakterisiert sind, koexistieren im 18. Jahrhundert die Phänomene der oben genannten Zwischenphasen mit Erscheinungen, die dem Grammatikalisierungsstand der heutigen Standardsprache entsprechen. Synchron gesehen resultiert dies in einer Vielzahl an syntaktisch gegebenen Möglichkeiten, die teilweise von pragmatischen und prosodischen Faktoren abhängig erscheinen, aber nichtsdestoweniger bei Sprachbenutzern zu Unsicherheiten führen können. Da manches Phänomen in den Quellen stark im Rückgang begriffen ist, kann die Schriftsprache des 18. Jahrhunderts in dem untersuchten Bereich durch die Einschränkung dieser syntaktisch gegebenen Möglichkeiten charakterisiert werden, die auch die Reduktion entsprechender Zweifelsfälle bedeutet. Diese Einschränkung lässt selbstverständlich immer noch genug Platz für eine zum Teil sprachimmanent, das heißt etwa pragmatisch und prosodisch, aber auch soziologisch bedingte Variation. Da der Status der Varianten dem Sprachbenutzer oft unklar ist, wird er also von Sprachzweifeln weiter nicht verschont.

Die Bedeutung der sprachexternen Faktoren der Variation wurde bereits angedeutet. So lässt sich die Sprachzweifelssituation oft als eine Spannung zwischen verschiedenen Varietäten wie gesprochener Sprache und Schriftsprache, geographisch eingeschränkter Varietät und überlandschaftlich ausstrahlender Varietät, Umgangssprache und offizieller Sprache, Kanzlei- bzw. Geschäftssprache und Sprache der Aufklärer usw. modellieren. Solche Varietäten konnten mit Sicherheit Vorbildfunktionen ausüben und dadurch dem Sprachbenutzer manchmal den Weg aus den Zweifeln heraus weisen. Derartige soziologische Faktoren konnten für die Variantenauswahl und die individuell spezifische Auslastung der strukturell vorhanden Möglichkeiten offensichtlich auch wichtiger sein als die Prinzipien der ungehinderten Sprachverarbeitung. Darauf deutet etwa die Verabsolutierung der Klammerstrukturen hin, wie sie in den Texten Dornblüths vorliegt. Dass diese Verabsolutierung als Variante der Textgestaltung im Laufe des 18. Jahrhundert - zumindest außerhalb der Kanzlei - weitgehend unterging, hängt mit den neuen kommunikativen Bedürfnissen der sich erweiternden Öffentlichkeit (Eichinger 1995: 318) zusammen.

Zum Schluss soll noch kurz darauf eingegangen werden, wie die Grammatiker im 18. Jahrhundert syntaktische Zweifelsfälle behandeln. Die Mehrheit, für die hier Gottsched stehen kann, verfolgt stark präskriptive Interessen und strebt gemäß den darstellungsfunktionalen Ideen der Zeit (cf. Konopka 1996: 55) Regeln ohne Ausnahme an. Unglücklicherweise scheint sie oft nicht im Stande zu sein, bei Variationsfällen deren wichtige grammatische und pragmatische Bedingungen zu erkennen. Sprachzweifel sind für diese Grammatiker ein unbequemes Thema. So wird oft nur eine der Varianten als richtig vorgestellt. Bestehende Alternativen werden als falsch abgestempelt oder gar verschwiegen. Im Gegensatz zu den meisten Grammatikern nehmen Aichinger, Basedow und Hemmer öfter Variationsfälle auf und beschäftigen sich genauer mit ihren Bedingungen. Damit geht einher, dass sie insgesamt als sprachwissenschaftlich gesehen fortschrittlicher einzustufen sind (cf. Konopka 1996: 221ff.). Hier gilt wie so oft: Zweifel ist der Weisheit Anfang (Descartes).

 

Anmerkungen

1 Sie wurden im Literaturverzeichnis zusammengestellt. Die Werke bildeten einen Teil von Korpus I in Konopka 1996 (cf. Konopka 1996: 49f.). [zurück]

2 Cf. Zifonun et al. 1997: 2236. W- bzw. D-Elemente sind im Gegensatz zu Subjunktoren Konstituenten des Nebensatzes. [zurück]

3 Eine ausführliche Darstellung der kontroversen sprachreflexiven Aussagen findet sich in Konopka 1996. [zurück]

4 Cf. Korpus II in Konopka 1996: 150ff., einen Teil des Sprachgebrauchskorpus bilden Vorreden, Einleitungen und ähnliche Passagen der sprachreflexiven Quellen. [zurück]

5 Zu der Alternative zwischen der Voranstellung und Nachstellung des Finitums in mehrgliedrigen Verbalkomplexen kommt noch eine dritte, im 18. Jahrhundert sehr populäre Variante hinzu, in der das Finitum weggelassen wird. Auch diese so genannten afiniten Konstruktionen werden in der zeitgenössischen Sprachreflexion kontrovers behandelt und scheinen zu Zweifelsfällen geführt zu haben (Konopka 1996: 140ff., 217ff.). Hier müssen sie aus Platzgründen unbehandelt bleiben. [zurück]

6 Bödikers "Grundsätze" erschienen zum ersten Mal 1690. Hier wurde ihre mit zahlreichen Kommentaren versehene Ausgabe durch Wippel von 1746 benutzt (zu verschiedenen Ausgaben der "Grundsätze" Bödikers cf. Diedrichs 1983). [zurück]

7 Der Asterisk soll hier verdeutlichen, dass die Beispiele konstruiert sind. [zurück]

8 Unter Fokus wird hier der Ausdruck verstanden, der zwecks Kontrastierung mit seinen denkbaren Alternativen (akzentuell) hervorgehoben wird (cf. Pasch et al. 2003). Analog zu den Beispielen (2)-(4) kann sporadisch auch in zweigliedrigen Verbgruppen am Ende des Verberst- bzw. Verbzweitsatzes das regierte Verb, wenn es fokussiert wird, dem regierenden Verb nachgestellt werden, cf.: "Seynd sie [= alle Sachen, so um uns herum zu unsren Diensten stehen] aber von Ewigkeit ohne einen Schöpfer, so müssten sie blindlings nur von sich selbsten seyn, und zu keines anderen Nutzen: dann wer hätte ihnen dieses Ziel und Ende können vorschreiben, wann man Gott ausschließt" (GOL 26). [zurück]

9 Dies bezieht sich selbstverständlich nur auf dreigliedrige Verbalkomplexe im Nebensatz. Die Abfolge der Verben in mehr als dreigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz kann hier aus Platzgründen nicht behandelt werden. Ihre historische Entwicklung wird genau von Härd (1981) beschrieben. [zurück]

10 Hier könnte man mehrere Verbalkomplextypen unterscheiden (cf. Härd 1981: 8). Allerdings tun das die Autoren der untersuchten sprachreflexiven Werke nicht. In ihren Beispielen erscheint genau gesehen nur der Verbalkomplex mit finitem Modalverb und zwei nicht-modalen Infinitiven. [zurück]

11 Analog zur Abfolgevariation in dreigliedrigen Verbalkomplexen im Nebensatz zeigt sich in den untersuchten Texten auch eine Abfolgevariation in dreigliedrigen infiniten Verbgruppen am Ende der Verberst- bzw. Verbzweitsätze (zu Beispielen cf. Konopka 1996: 217). [zurück]

12 Mit den beiden Abfolgevarianten konkurrieren bei finiten Formen von sein und haben sog. afinite Konstruktionen, vgl. z. B. "... Anmerkungen [...], die von guten Sprachkennern geschrieben worden" (Gottsched 1762: 57). [zurück]

13 Hier scheint im Übrigen die Voranstellung des Finitums auch mit dem Gebrauch des Ersatzinfintivs zusammenzuhängen: In entsprechenden, von zeitgenössischen Grammatikern konstruierten Beispielen mit einem Partizip Perfekt des Modalverbs steht das finite Hilfsverb am Ende, z. B. *sagen gekonnt hast (Basedow 1759: 98). [zurück]

14 Gemeint ist "die erste Beyhülfe zur Zierlichkeit in denen Sprachen" (cf. HIE 298). [zurück]

15 Die Möglichkeit der Vorfeldstellung von Nebensätzen bleibt hier unbeachtet, da sie in den untersuchten sprachreflexiven Werken nicht so eindringlich thematisiert wird wie die Alternative zwischen Nachfeldstellung und Mittelfeldstellung. [zurück]

16 Ich stütze mich bei diesem Begriff auf die Überlegungen Brandts (1994). [zurück]

17 Bzw. symmetrisch angeschlossen im Sinne Brandts (1994: 8), dies wäre auf jeden Fall möglich bei extrasubjektiv-volitiver Lesart von möchte, etwa als 'soll' (cf. mögen in Duden 1999, Bedeutungsposition 1.f, Zifonun et al. 1997: 1891-1895). [zurück]

18 Gemeint ist die unzureichende Kenntnis der "Copia Verborum" (cf. ibd.). [zurück]

 

Literaturangaben

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 Linguistik online 16, 4/03

ISSN 1615-3014