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Verschiedene Arten der Art und Weise: zu ihrer Positionierung im Deutschen und Englischen

Karin Pittner (Bochum)


0 Einleitung

Anhand der Stellungseigenschaften von Adverbialen der Art und Weise (A&W-Adverbiale) im Deutschen und Englischen soll gezeigt werden, daß es sich bei der traditionellen Kategorie der "Adverbiale der Art und Weise" um eine heterogene Klasse handelt, bei der weiter differenziert werden muß.

Die folgenden Ausführungen basieren auf Frey/Pittner (1998), Frey/Pittner (1999), und Pittner (1999). Für eine ausführlichere Behandlung der hier angesprochenen Themen wird auf diese verwiesen.

Dieser Aufsatz ist wie folgt aufgebaut: Abschnitt 1 gibt einen kurzen Überblick über die Adverbialklassen, die Frey/Pittner (1998) und Pittner (1999) anhand der Grundpositionen der Adverbiale im deutschen Mittelfeld annehmen, sowie über die Bedingungen für ihre Positionierung. Abschnitt 2 beschreibt die Grundposition der Adverbiale der Art und Weise, wobei ein besonderes Augenmerk auf langsam und schnell gerichtet wird, das über Homonyme verfügt, die anderen Adverbialklassen zuzurechnen sind. Dabei wird auf die Frage eingegangen, ob diese Elemente in einer ihrer Lesarten als Modalpartikeln zu klassifizieren sind. Abschnitt 3 behandelt die Positionierung der Adverbiale der Art und Weise im Englischen, für die entsprechende Bedingungen wie im Deutschen gelten, die sich jedoch aufgrund der unterschiedlichen Satzstruktur anders auswirken. Anhand der verschiedenen Stellungseigenschaften dieser sehr heterogenen Klasse wird für eine Differenzierung der "Art und Weise" plädiert, wobei zwischen einem reinen Prozeßbezug, ereignisinternen und ereignisbezogenen Adverbialen unterschieden wird. Ein kurzer Blick auf das Französische in Abschnitt 4 soll aufzeigen, daß im Französischen ähnliche Regularitäten zu beobachten sind. Abschnitt 5 gibt eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse.


1 Allgemeines

Frey/Pittner (1998) haben einen Versuch unternommen, die Regularitäten der Stellung von Adverbialen im Mittelfeld des deutschen Satzes zu formulieren. Dabei war das Ziel, die folgenden Annahmen zu untermauern: Um die Grundpositionen zu ermitteln, wurden eine Reihe von Tests verwendet. Diese Tests sind
  1. Fokusprojektionstest,
  2. Thema-Rhema-Bedingung von Lenerz (1977),
  3. Skopustest (nach Frey 1993),
  4. Komplexes Vorfeld,
  5. Stellungsfestigkeit indefiniter w-Pronomina und
  6. Prinzip-C-Effekte.1

Aufgrund der Anwendung dieser Tests sind wir zu dem Ergebnis gelangt, daß die adverbialen Adjunkte in 5 syntaktisch relevante Klassen fallen, nämlich Frame- und Bereichsadverbiale, Satzadverbiale, ereignisbezogene Adverbiale, ereignisinterne Adverbiale und prozeßbezogene Adverbiale. (1) gibt einen Überblick über die Zuordnung einzelner Adverbialtypen zu diesen Klassen.

(1) Adverbialklassen (cf. Frey/Pittner 1998, Pittner 1999)
  prozeßbezogene Adverbiale: Adverbiale der Art und Weise
  ereignisinterne Adverbiale: Instrument und Komitativ, Lokaladverbiale, Adverbiale der Subjekthaltung
  ereignisbezogene Adverbiale: Temporaladverbiale, Kausaladverbiale
  propositionsbezogene Adverbiale: Satzadverbiale
  Frameadverbiale: den Geltungsbereich von Propositionen einschränkender Gebrauch von Lokal- und Temporaladverbialen

Hinsichtlich der Grundpositionen der Adverbiale im Mittelfeld des deutschen Satzes haben wir die folgenden Regeln formuliert:

(2) Die Abfolge der Adverbiale (cf. Frey/Pittner 1998):
  (i) Frame- und Bereichsadverbiale: k-kommandieren die Grundposition der Satzadverbiale
  (ii) Satzadverbiale: k-kommandieren das finite Verb und die Grundposition der ereignisbezogenen Adverbiale
  (iii) ereignisbezogene Adverbiale: k-kommandieren die Grundposition des ranghöchsten Arguments und die Grundpositionen ereignisinterner Adverbiale
  (iv) ereignisinterne Adverbiale: sie werden von ihrem "Bezugsargument" minimal (bezüglich der anderen Argumente) k-kommandiert
  (v) prozeßbezogene Adverbiale: k-kommandieren minimal das Verb bzw. den Prädikatskomplex

Einen besonders interessanten Fall stellen solche Adverbiale dar, die ambig sind und aufgrund ihrer Ambiguität zu verschiedenen Klassen gehören können. Dies soll hier kurz am Beispiel von gerne illustriert werden, das sowohl ein Adverb sein kann, das die Haltung des Subjektsreferenten zum Geschehen ausdrückt, als auch ein Frequenzadverb. Tritt dieses Adverb oberhalb des Subjekts im Mittelfeld auf, so ist die Lesart als Adverbial der Subjekthaltung ausgeschlossen:(3) a. weil hier gerne jemand arbeitet (nur Frequenzinterpretation möglich)Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Bedingungen für die Interpretation als Adverbial der Subjekthaltung nicht erfüllt sind, da dieses als ereignisinternes Adverbial nach (2(iv)) im K-Kommandobereich seines Bezugsarguments, in diesem Fall also des Subjekts stehen müßte.

In diesem Aufsatz soll zunächst aufgezeigt werden, daß Adverbiale wie langsam und schnell ambig sind, was Konsequenzen für ihre Grundposition hat.


2 Adverbiale der Art und Weise

2.1 Grundposition im Deutschen

In dem folgenden Satz kann schnell entweder die Art des Gehens bezeichnen, nämlich einen Prozeßbezug, oder einen Ereignisbezug, nämlich dergestalt, daß das Ereignis des Gehens schnell eintrat.(4) Er ging schnell. (Prozeß- oder Ereignisbezug)Daß schnell in der ereignisbezogenen Lesart nicht die Art und Weise kennzeichnet, läßt sich auch daran erkennen, daß es mit einem antonymen Adverbial der Art und Weise kombinierbar ist.(5) Wenn Otto eine Radarfalle sieht, fährt er schnell langsam.Die relative Abfolge der beiden Adverbiale im Mittelfeld ist dabei festgelegt, in der intendierten Interpretation können die beiden Adverbiale nicht vertauscht werden.(6) *Wenn Otto eine Radarfalle sieht, fährt er langsam schnell. (*in der intendierten Lesart)Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, daß Adverbiale der Art und Weise im deutschen Mittelfeld in einer zum Verb bzw. zum Prädikatskomplex adjazenten Stelle ihre Grundposition haben (cf. Frey/Pittner 1998, Pittner 1999).

Zum Prädikatskomplex gehören bestimmte verbadjazente Konstituenten wie z.B. Direktionaladverbiale, Resultativprädikate und nicht-verbale Teile von Funktionsverbgefügen. Diese Elemente lassen sich im Mittelfeld nicht scrambeln und tragen zur Valenz des Prädikats bei. Sie können nur nach der Satznegation auftreten.

(7) a. Angela hat vorher die Gläser auf den Tisch gestellt.
  b. *Angela hat vorher auf den Tisch die Gläser gestellt.
(8) a. daß Angela die Gläser nicht auf den Tisch gestellt hat
  b. daß Angela die Gläser auf den Tisch nicht gestellt hat (Konstituentennegation)

Die zum Verbalkomplex adjazente Stellung der A&W-Adverbiale läßt sich anhand der Stellung des w-Indefinitums illustrieren. Indefinit interpretierte w-Pronomina sind stellungsfest, d.h. sie befinden sich stets in ihrer Grundposition und können nicht gescrambelt sein. Sie sind daher geeignet, Grundpositionen zu ermitteln:

(9) a. weil ein Professor wen beleidigt hat
  b. *weil wen ein Professor beleidigt hat
  c. weil Hans neulich wen beleidigt hat
  d. *weil Hans wen neulich beleidigt hat

Anhand dieses Tests läßt sich zeigen, daß die Grundposition von Adverbialen der Art und Weise nach den Objekten positioniert ist:(10) weil Maria heute was (nicht) sorgfältig durchgearbeitet hatDaß das nicht-umstellbare Indefinitpronomen mit Objektfunktion dem Adverbial der Art und Weise vorangeht, ist nur möglich, weil das Adverbial der Art und Weise nach dem Objekt basisgeneriert wird.2

(11) a. Er muß langsam das Geschirr abspülen. (Ereignisbezug)
  b. Er muß das Geschirr langsam abspülen. (Prozeßbezug)

Allerdings kann langsam nach dem Objekt bei besonderer Betonung, nämlich einem Akzent auf dem Objekt und dem Verb, auch als ereignisbezogenes Adverbial interpretiert werden.(12) Du könntest das GeSCHIRR langsam ABspülen.Wir haben dies dahingehend interpretiert, daß hier Scrambling des Objekts vorliegt, sich also nicht die Position des Adverbials, sondern die des Objekts geändert hat (Frey/Pittner 1998).

Wird durch den Kontext eine prozeßbezogene Lesart des Adverbials festgelegt, so bevorzugen Sprecher/innen die Position des Adverbials nach dem Objekt (13a). Wird dagegen eine ereignisbezogene Lesart festgelegt, wird die Position vor dem Objekt bevorzugt (14a), cf. Pittner (1999:169f.).

(13) Damit nichts anbrennt und alles durch ist, hat
  a. Eva das Fleisch langsam gebraten.
  b. Eva langsam das Fleisch gebraten.
(14) Es zieht fürchterlich -
  a. mach schnell die Tür zu!
  b. mach die Tür schnell zu!

Daß das prozeßbezogene Adverbial zusammen mit dem Verb eine Konstituente bildet, zeigt sich auch in der Möglichkeit der gemeinsamen Topikalisierung:(15) Langsam braten will er das Fleisch. (nur Prozeßbezug)

2.2 Langsam und schnell als Modalpartikeln?

Burkhardt (1994:140f.) stellt die These auf, daß langsam sich zu einer Modalpartikel entwickelt, die noch "in statu nascendi" sei, wobei Analoges wohl für schnell gelten müßte, das bei Burkhardt nicht erwähnt wird. Als Beispiel dafür führt Burkhardt den Satz Kommen Sie mal langsam zur Kasse? an, in dem langsam "neuerdings paradoxerweise auf gebotene Eile verweisen" kann (ebd.:145).

Der These der Entwicklung einer Modalpartikel aus dem Adverbial langsam soll in diesem Abschnitt nachgegangen werden. Für eine Klassifizierung des ereignisbezogenen langsam spricht zunächst einmal seine Unbetonbarkeit, die mit wenigen Ausnahmen (wie JA und BLOSS) eine generelle Eigenschaft von Modalpartikeln ist.

Eine weitere Eigenschaft von Modalpartikeln liegt darin, daß sie in ihrer Stellung auf das Mittelfeld des deutschen Satzes beschränkt sind. Dies ist jedoch für ereignisbezogenes langsam und schnell nicht gegeben:

(16) a. Langsam hat er die Schnauze voll.
  b. Schnell stehst du in der Verkehrssünderdatei.

In diesem Punkt stimme ich mit Meibauer (1994:38) überein, der daran festhält, "daß Modalpartikeln grundsätzlich nicht vorfeldfähig sind und daß dies das wesentliche Abgrenzungskriterium zu allen Arten von Adverbien darstellt. Die sog. vorfeldfähigen Modalpartikeln sind daher keine Modalpartikeln, sondern Adverbien."

Modalpartikeln sind aufgrund ihrer engen Relation zur illokutiven Ebene in ihrem Auftreten stets auf bestimmte Satzmodi eingeschränkt. Auch dies läßt sich jedoch bei ereignisbezogenem schnell und langsam nicht beobachten:

(17) a. Er macht schnell die Tür zu. (Deklarativsatz)
  b. Mach' schnell die Tür zu. (Imperativsatz)
  c. Macht Hans schnell die Tür zu? (Entscheidungsfragesatz)
  d. Wer macht schnell die Tür zu? (Ergänzungsfragesatz)
  e. Macht der doch schnell die Tür zu! (Exklamativsatz)
  f. Würde er doch nur schnell die Tür zumachen! (Wunschsatz)
(18) a. Er geht langsam zur Kasse. (Deklarativsatz)
  b. Geh langsam zur Kasse! (Imperativsatz)
  c. Geht Hans langsam zur Kasse? (Entscheidungsfragesatz)
  d. Wer geht langsam zur Kasse? (Ergänzungsfragesatz)
  d. Geht der doch langsam zur Kasse! (Exklamativsatz)
  e. Würde er doch nur langsam zur Kasse gehen! (Wunschsatz)

Wegener (1998) führt außerdem als ein Kriterium für die Entwicklung eines Elements zur Modalpartikel an, daß es aufgrund seines Verlusts an semantischer Substanz mit seinem Antonym bzw. Heterosem kombiniert werden kann. Wie schon im vorigen Abschnitt angesprochen, ist dies im Fall von langsam und schnell möglich:

(19) a. Er fährt schnell langsam.
  b. Er fährt langsam schnell.
  c. Wenn Peter getrunken hat, fährt er schnell schnell.
  d. Er fährt langsam langsam.

Daß die Sätze in (19) alle interpretierbar sind, kann jedoch damit erklärt werden, daß jeweils Adverbiale unterschiedlicher Klassen kombiniert werden, s. dazu auch den nächsten Abschnitt.

Die Stellung von ereignisbezogenem langsam bzw. schnell an der Spitze des Mittelfelds ergibt sich aus der Bedingung (2iii): ereignisbezogene Adverbiale stehen oberhalb aller Argumente des Verbs.

Es spricht also außer der Unbetonbarkeit dieser Elemente nichts für die These, daß ereignisbezogenes langsam und ebenso schnell sich zur Modalpartikel entwickeln würden.


3 Positionen im Englischen

Die Grundpositionen für Adverbiale der Art und Weise im Englischen scheinen auf den ersten Blick wesentlich unrestringierter als im Deutschen zu sein.

(20) (*Elegantly) Superstring theory (*elegantly) will (*elegantly) have (elegantly) accounted (elegantly) for these phenomena (elegantly)

Im folgenden soll gezeigt werden, daß genuine Adverbiale der Art und Weise im Englischen nur nach dem Vollverb, d.h. innerhalb der VP, auftreten können. Adverbiale der "Art und Weise", die vor dem Vollverb stehen, drücken in der Regel nicht einen Prozeßbezug aus, sondern sind ereignisbezogene bzw. ereignisinterne Adverbiale. Zunächst soll jedoch kurz skizziert werden, wie unsere Bedingung (2v) die Positionen der Art und Weise im Englischen erfassen kann (cf. Frey/Pittner (1999)).

Ausgangspunkt ist hier die VP-Schalen-Struktur des englischen Satzes, die seit Larson (1988) von vielen Syntaktikern angenommen wird. Larson zufolge weist der englische Satz eine binäre, rechtsverzweigende Struktur auf. Dafür sprechen die folgenden Daten, welche zeigen, daß ein vorangehendes Argument ein nachfolgendes asymmetrisch k-kommandiert, da K-Kommando die Voraussetzung für die Bindung eines Pronomens durch eine quantifizierte Phrase oder die Lizenzierung eines negativen Polaritätselements ist:

(21) a. I gave every worker his paycheck.
  b. *I gave its owner every paycheck.
  c. I gave every check to its owner.
  d. ??I gave his paycheck to every worker.
  e. I showed no one anything.
  f. *I showed anyone nothing.
  g. I sent no present to any of the children.
  h. *I sent any of the packages to none of the children.

Nähme man für das Englische die folgende Struktur an, so wäre zwar die Rechtsverzweigung gegeben, jedoch das Prinzip der Endozentrizität verletzt, da diese Phrase von keinem Kopf aufgespannt wird. Das Verb befindet sich nicht am Fuß, sondern an der Spitze dieser Struktur.(22) [V [XP [YP [ZP]]]Rechtsverzweigung und die VO-Eigenschaft des Englischen können durch Larsons VP-Schalen-Analyse erfaßt werden. Das Verb wird am Fuß der Struktur generiert und bewegt sich in mehreren Etappen nach links. Die Notwendigkeit für diese Bewegung ergibt sich daraus, daß das englische Verb seine Argumente nach rechts lizenziert.(23) [V1 [VP XP [t1'' [VP YP [t1' [VP ZP [t1]]]]]]]Im Deutschen als OV-Sprache ist dagegen eine derartige Bewegung des Verbs zur Lizenzerteilung an seine Argumente nicht nötig, da diese nach links lizenziert werden. Die binäre rechtsverzweigende Struktur des deutschen Mittelfelds läßt sich analog zu den Beispielen unter (21) zeigen.(24) [XP [YP [ZP V]]]Bei Annahme der von Larson aufgezeigten Bewegung des Verbs im Englischen ist an allen Positionen, an denen Adverbiale der Art und Weise auftreten, die Bedingung (2iv) erfüllt, da das Adverbial jeweils die Verbspur minimal k-kommandiert.(25) John has [spoken1 [to his mother [t1' [about the book [t1 nicely]]]]]In (25) ist die Verbkette angegeben. Das Adverbial am Satzende ist an die Grundposition des Verbs adjungiert; das Verb, bzw. seine Spur wird minimal von dem Adverbial k-kommandiert. Frey/Pittner (1999) gehen davon aus, daß in einer basisgenerierten Adjunktionsstruktur die K-Kommando-Domäne des adjungierten Knotens vom dominierenden Knoten beschränkt wird. Die K-Kommando-Domäne des adjungierten Knotens ist somit beschränkt auf die Adjunktionsstruktur, wohingegen der Kopf in seiner K-Kommando-Domäne durch den dominierenden Kopf einer Adjunktionsstruktur nicht beschränkt wird.

Die Stellung des Adverbials in (25) erfüllt die Bedingung für ein A&W-Adverbial. Die Bedingung (2(v)) erlaubt weitere Positionierungen des Adverbials, illustriert in (26). Diese Stellungsmöglichkeiten ergeben sich durch Adjunktion an die anderen Glieder der Bewegungskette des Verbs:(26) John has [[spoken1 nicely] [to his mother [[t1' nicely] [about the book [t1 nicely]]]]]Frey/Pittner (1999) nehmen an, daß die Adjunktion jeweils nach rechts erfolgt, da sich das Adverbial im Wirkungsbereich des Verbs befinden muß. Dessen Lizenzierungsbereich ist nach rechts.3

Die Annahme, daß das Adverbial der Art und Weise rechts an das Verb bzw. seine Spur adjungiert wird, liefert eine empirisch adäquate Analyse der Positionierungsmöglichkeiten der Art und Weise im Englischen. Die traditionelle Annahme hingegen, daß die Art und Weise an eine verbale Projektion adjungiert wird, die alle Objekte umfaßt, kann die Position zwischen den Objekten nicht erfassen und kann daher nicht als empirisch adäquat betrachtet werden. In diesem Zusammenhang muß nun darauf hingewiesen werden, daß unsere Bedingung (2(v)) und ihre Anwendung auf das Englische eine Position der Art und Weise vor dem Vollverb nicht zulassen. Im folgenden gilt es daher zu zeigen, daß es sich bei der "Art und Weise" vor dem Vollverb nicht um einen Prozeßbezug, sondern um ereignisinterne bzw. ereignisbezogene Adverbiale handelt, für die andere Bedingungen gelten.

Einige Autoren gehen davon aus, daß A&W-Adverbiale in satzfinaler Position basisgeneriert werden (s. z.B. Alexiadou 1997), jedoch eine Position vor dem Vollverb einnehmen können, die auf Bewegung zurückzuführen sei. Da Alexiadou jedoch eine bestimmte funktionale Projektion ("VoiceP"), die oberhalb der VP liegt, als Landeplatz angibt, kann sie damit die Position zwischen Objekten oder zwischen Verb und PP nicht erfassen. Außerdem trägt diese Auffassung nicht der Tatsache Rechnung, daß nicht alle "Adverbiale der Art und Weise" in dieser präverbalen Position auftreten können:

(27) a. He will dance with Mary marvellously.
  b. *He will marvellously dance with Mary.
  c. She has shot at Paul badly.
  d. *She has badly shot at Paul.
  e. She has played the violin beautifully.
  f. *She has beautifully played the violin.
  g. John learned French perfectly.
  h. *John perfectly learned French.

Hier ist eine Unterscheidung relevant, die von Bartsch (1972: 150f.) getroffen wird. Bartsch untersucht, ob ein Satz der Form 'Subjekt X A&W-Adv' eine Paraphrase der Form 'Subjekt X, wobei Subjekt A&W-Adv ist' ermöglicht.

Zur ersten Gruppe, die eine derartige Paraphrase erlaubt, gehört z.B. sorgfältig:

(28) a. Petra kocht sorgfältig.
  b. Petra kocht, wobei sie sorgfältig ist.
Wunderbar gehört zur zweiten Gruppe und erlaubt diese Paraphrase nicht:
(29) a. Petra tanzt wunderbar.
  b. Petra tanzt, wobei sie wunderbar ist.

(29a) und (b) können nicht dasselbe bedeuten. Wichtig ist nun, daß alle Adverbiale in (27) diese Paraphrase nicht erlauben.

Adverbiale der ersten Gruppe können dazu benutzt werden, den Subjektreferenten beim Vollzug der Handlung zu charakterisieren, bei Adverbialen der zweiten Gruppe ist dies nicht möglich. In dieser speziellen Verwendung sind die Adverbiale der ersten Gruppe aber keine Adverbiale der Art und Weise mehr. Sie charakterisieren hier, ähnlich wie Adverbiale der Subjekthaltung, den Subjektreferenten bezüglich des restlichen Satzes, und zwar nicht wie die Adverbiale der Subjekthaltung hinsichtlich einer mentalen Einstellung zur Handlung, sondern hinsichtlich des Handlungsvollzugs. Diese den Handlungsvollzug charakterisierenden Adverbiale sind offensichtlich keine prozeßbezogenen Adverbiale mehr, wie dies für Adverbiale der Art und Weise gilt. In der Verwendung vor dem Verb gehören die Adverbiale der ersten Gruppe daher zu derselben Klasse wie die Adverbiale der Subjekthaltung, nämlich zu den sogenannten ereignisinternen Adverbialen, die sich auf das Verhältnis ihres Bezugselementes zum Rest des Satzes beziehen. Hier ist die Bedingung (2(iv)) einschlägig.

Aus den Überlegungen von Frey/Pittner (1999) ergibt sich auch unmittelbar, daß ein A&W-Adverbial nicht vom Hauptverb entfernt positioniert werden kann, während dies für andere Typen von Adverbialen nicht ausgeschlossen ist:

(30) a. Superstring theory (*elegantly) will (*elegantly) have accounted for these phenomena.
  b. We (now) have (now) been sitting here for three hours.
  c. George (already) has (already) been making plans.

Diese Positionen sind aber nur möglich für Adverbien, die einer anderen Klasse angehören, z.B. der Klasse der ereignisbezogenen Adverbien. Ein A&W-Adverbial ist in diesen Positionen nicht möglich, da es hier nicht an das Hauptverb adjungiert sein kann.

Sämtliche in (26) angegebenen möglichen Positionierungen des Adverbials ergeben dieselbe Interpretation eines Satzes. Dafür, daß die Stellung des Adverbs vor dem Vollverb tatsächlich eine andere Interpretation ergibt, spricht auch, daß an dieser Position ein antonymes Adverb als genuines Art&Weise-Adverbial hinzugefügt werden kann (cf. Cinque 1999). Dies führt bei einer Positionierung dieses Adverbials nach dem Vollverb zu einem widersprüchlichen Satz:

(31) a. John has been cleverly talking about the problem stupidly.
  b. *John has been talking cleverly about the problem stupidly.

(31a) ist nicht widersprüchlich, obwohl das erste Adverbial nicht als (subjektorientiertes) Satzadverbial interpretiert wird.4 Auch im Deutschen ist eine derartige Konstruktion möglich:(32) Hans hat geschickt alle Fragen dumm beantwortet.Dies stützt die Auffassung, daß das Adverb vor dem Vollverb nicht den Prozeß als solchen charakterisiert, sondern den Subjektsreferenten während der Handlung.

Auf einen anderen Interpretationsunterschied zwischen der Positionierung vor und nach dem Hauptverb wird in Thomason/Stalnaker (1973) hingewiesen:

(33) a. He has been testing some bulbs slowly.
  b. He has been slowly testing some bulbs.

Während in (33a) jede einzelne Testhandlung als langsam charakterisiert wird, wird in (33b) hingegen gesagt, daß das gesamte Testen langsam durchgeführt wurde. Die einzelnen Tests können dabei durchaus schnell vollzogen worden sein, mit Pausen dazwischen. Wenn slowly in der Position vor dem Verb steht, wird das gesamte Ereignis charakterisiert. Dieser Interpretationsunterschied zeigt, daß das Vorkommen des Adverbials in (33b) nicht als A&W-Adverbial zu analysieren ist, sondern als ereignisbezogenes Adverbial.

Die Stellungseigenschaften der "Art und Weise" im Englischen haben gezeigt, daß hier weiter differenziert werden muß zwischen einem reinen Prozeßbezug, für den Bedingung (2(v)) gilt, und solchen Adverbialen der "Art und Weise", die eine Charakterisierung des Subjektsreferenten im Hinblick auf den Handlungsbezug ausdrücken und somit durch Bedingung (2(iv)) erfaßt werden oder einen Ereignisbezug, für den Bedingung (2(iii)) gilt.


4 Ein kurzer Blick auf das Französische

Für das Englische wurde im vorigen Abschnitt versucht zu zeigen, daß "Adverbien der Art und Weise", die vor dem Vollverb auftreten, keinen Prozeßbezug ausdrücken, sondern ereignisbezogene bzw. -interne Adverbien sind. Es steht zu vermuten, daß für Adverbien im Französischen Ähnliches gilt, da davon auszugehen ist, daß auch hier die Bedingung (2(v)) wirksam ist.

Für das Französische ist die starke Tendenz beobachtet worden, daß Adverbien, die ambig zwischen einer Lesart als Adverb der Art und Weise und einer anderen Lesart sind, bei Auftreten vor dem Verb nicht als Adverbien der Art und Weise interpretiert werden. Vgl. dazu das folgende Beispiel aus Confais (1989):

(34) a. Il nous a interrogés curieusement ('auf neugierige Weise')
  b. Il a curieusement refusé ('merkwürdigerweise')

Ähnliches gilt für vite 'schnell', das ambig ist zwischen einer ereignisbezogenen und einer prozeßbezogenen Lesart. Vor dem Vollverb wird es als ereignisbezogenes Adverbial interpretiert (cf. Confais 1989:226):

(35) a. Nous avons marché vite (Art und Weise, Prozeßbezug)
  b. Il s'est vite mis au travail (Ereignisbezug)

Manche Adverbien sind ambig zwischen einer Lesart als Adverb der Art und Weise und einem graduierendem Adverb. In diesem Fall werden sie in einer Position vor dem Vollverb als graduierende Adverbien interpretiert (cf. Confais 1989: 227):5

(36) a. Il a dormi profondement ('tief')
  b. La ville a profondement changé ('sehr')

Diese knappen Bemerkungen sollen aufzeigen, daß im Französischen ähnliche Regularitäten zu beobachten sind wie im Englischen, die wiederum mit der Bedingung (2(v)) für die Positionierung von Adverbialen der Art und Weise in Verbindung gebracht werden können, s. dazu den vorangegangenen Abschnitt. Dies liefert einen weiteren Hinweis darauf, daß die Bedingungen in (2) nicht sprachspezifisch, sondern sprachübergreifend wirksam sind. Daß Unterschiede in der Stellung von Adverbialen in verschiedenen Sprachen auf unterschiedliche Satzstrukturen zurückgeführt werden können, scheint daher ein Ansatz zu sein, der weiter verfolgt

werden sollte.


5 Zusammenfassung

Ausgehend von der Annahme, daß sich in den Stellungseigenschaften bestimmter Adverbialtypen ihr semantischer Bezug zum Restsatz spiegelt, wurde gezeigt, daß bei der traditionellen Klasse der "Adverbiale der Art und Weise" zu unterscheiden ist zwischen den Adverbialen der Art und Weise im engeren Sinne, die einen Prozeßbezug ausdrücken und in enger Beziehung zum Verb stehen, und Adverbialen, die einen Bezug auf das Ereignis bzw. den Subjektsreferenten im Hinblick auf das Ereignis ausdrücken. Dies wurde anhand der Stellungseigenschaften dieser Adverbiale im Deutschen und Englischen aufgezeigt. Unterschiede der Adverbialstellung zwischen dieser Sprachen können auf unterschiedliche Satzstrukturen zurückgeführt werden. Ein kurzer Blick auf das Französische zeigte, daß dort Parallelen zum Englischen zu beobachten sind. Es erscheint daher als ein lohnenswertes Projekt, anhand des Französischen und weiterer Sprachen zu untersuchen, inwieweit Unterschiede in der Adverbialstellung auf Unterschiede in der Satzstruktur der Sprachen zurückzuführen sind und welche Regeln für die Stellung der Adverbiale sprachübergreifend und möglicherweise universell sind.


Anmerkungen

1 Für eine Beschreibung und Anwendung dieser Tests s. Frey/Pittner (1998). [Zurück]
2 Daß Adverbiale der Art und Weise ihre Grundposition vor dem Objekt einnehmen, wird von Eckardt (1998) vertreten. Die von Eckardt angeführten Daten lassen sich jedoch darauf zurückführen, daß es sich bei den Objekten, die nach Adverbialen der Art und Weise stehen, um solche Objekte handelt, die im Sinne von Jacobs (1993) integriert und unserer Auffassung nach somit Teil des Prädikatskomplexes sind. 
Integrierbar sind Jacobs zufolge Objekte, die Patienseigenschaften aufweisen und nicht durch einen distributiven Quantor quantifiziert sind. Für unsere Auffassung spricht, daß Adverbiale der Art und Weise nicht oder nur schlecht vor nicht-integrierbaren Objekten auftreten können, wie in den folgenden Beispielen, wo einmal ein Stimulus-Objekt, einmal ein durch  jeder quantifiziertes Objekt auftritt. 
(i) Ich habe den Mann abgrundtief verachtet.
(i') *Ich habe abgrundtief den Mann verachtet.
(ii) Sie hat jedes Hemd sorgfältig gebügelt.
(ii') *Sie hat sorgfältig jedes Hemd gebügelt.
Zu einer ausführlicheren Argumentation s. Frey/Pittner (1998:498f., 502f.). [Zurück]
3 Es läßt sich zeigen, daß die Position des Adverbials der Art und Weise zwischen Verb und PP bzw. zwischen den beiden PPs nicht dadurch zustandekommt, daß die PPs nach rechts extraponiert worden sind ("heavy constituent shift") und daß das Adverbial der Art und Weise stets an der gleichen Position steht (s. dazu Frey/Pittner i.E.). [Zurück zum Text]
4 Ein subjektorientiertes Satzadverbial würde im Deutschen mit geschickterweise übersetzt werden. [Zurück]
5 Daß graduierende Adverbien im Französischen und im Englischen gut vor dem Vollverb stehen können, spricht dafür, sie nicht unter die Adverbien der Art und Weise zu subsumieren, sondern dafür eine eigene Klasse anzusetzen. Ein weiterer Grund dafür ist, daß graduierende Adverbien sehr häufig mit Adjektiven kombiniert werden. Zu dieser Klasse sind aber noch weitere Forschungen nötig. [Zurück]


Literaturverzeichnis

Alexiadou, Artemis (1997): Adverb Placement. A Case Study in Antisymmetric Syntax. Amsterdam/Philadelphia, Benjamins.

Bartsch, Renate (1972): Adverbialsemantik. Die Konstitution logisch-semantischer Repräsentationen von Adverbialkonstruktionen. Frankfurt, Athenäum.

Burkhardt, Armin (1994): "Abtönungspartikeln im Deutschen: Bedeutung und Genese." In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik 22: 129-151.

Cinque, Gulielmo (1999): Adverbs and functional heads. A cross-linguistic perspective. Oxford, Oxford University Press.

Confais, Jean Paul (1989): Grammaire explicative. München, hueber.

Eckardt, Regine (1998): Events, adverbs and other things. Issues in the semantics of manner adverbs. Tübingen, Niemeyer.

Frey, Werner (1993): Syntaktische Bedingungen für die semantische Interpretation. Über Bindung, implizite Argumente und Skopus. Berlin, Akademie-Verlag (studia grammatica XXXV).

Frey, Werner/Pittner, Karin (1998): "Zur Positionierung der Adverbiale im deutschen Mittelfeld." In: Linguistische Berichte 176: 489-534.

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Larson, Richard (1988): "On the double object construction." In: Linguistic Inquiry 19: 335-391.

Lenerz, Jürgen (1977): Zur Abfolge nominaler Satzglieder im Deutschen. Tübingen, Narr. (Studien zur deutschen Grammatik 5).

Meibauer, Jörg (1994): Modaler Kontrast und konzeptuelle Verschiebung. Tübingen, Niemeyer (Linguistische Arbeiten 314).

Pittner, Karin (1999): Adverbiale im Deutschen. Untersuchungen zu ihrer Stellung und Interpretation. Tübingen: Stauffenburg. (Studien zur deutschen Grammatik 60).

Thomason, Richard/Stalnaker, Robert (1973): "A semantic theory of adverbs." In: Linguistic Inquiry 4/2: 195-220.

Wegener, Heide (1998): "Zur Grammatikalisierung von Modalpartikeln." In: Barz Irmhild / Öhlschläger Günther (eds.): Zwischen Grammatik und Lexikon. Tübingen, Niemeyer (Linguistische Arbeiten 390): 37-55.


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